Die Deutsche Telekom zieht die Konsequenz aus den Datenskandalen der vergangenen Monate und ringt mit einem Datenschutzprogramm um das Vertrauen der Kunden. Das Unternehmen plane ein neues Vorstandsressort für Datenschutz, kündigte Vorstandschef René Obermann am Freitag in Bonn an. Damit sollten Datenschutz und Sicherheit künftig auf oberster Management-Ebene verankert werden. Überdies gehören zu dem Programm mehr Transparenz und neue Standards beim Datenzugriff der Mitarbeiter.
Der Datenschutz in dem Unternehmen sei keineswegs schlecht, betonte der Telekom-Chef: «Aber wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir neue Maßstäbe setzen müssen.» Die riesige Zahl der Daten bei der Telekom wecke «Begehrlichkeiten zum Missbrauch», gegen die man sich nicht in allen Fällen erfolgreich habe schützen können. «Im Wettlauf mit den Datenräubern wollen wir immer mindestens einen Schritt voraus sein», sagte Obermann.
Am vergangenen Wochenende war bekannt geworden, dass dem Unternehmen bereits 2006 rund 17 Millionen Kundendaten aus dem Mobilfunkbereich gestohlen wurden. Derzeit laufen nach Angaben von Telekom-Vorstandsmitglied Timotheus Höttges bundesweit sogar sieben Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit Datenschutz-Problemen.
«Wir wollen transparenter werden»
Die Telekom reagiert mit den geplanten Änderungen unter anderem auf die harsche Kritik an ihrer Informationspolitik: «Wir wollen transparenter werden», kündigte Obermann an. So will das Unternehmen künftig einen jährlichen Datenschutzbericht veröffentlichen und sich von dritter Seite zertifizieren lassen. Eine neue Internetseite soll darüber hinaus ab der kommenden Woche die Kunden aktuell über auftretende Datenschutzprobleme informieren.
Auch der Zugriff von Mitarbeitern und Partnern auf Kundendaten soll künftig deutlich eingeschränkt werden. Dazu will der Konzern unter anderem ein PIN/TAN-Verfahren einführen, bei dem erst eine Zahlenfolge oder ein Passwort eingegeben werden muss. Die Telekom-Kunden in den Läden würden die Maßnahmen bald bemerken, kündigte Obermann an.
Telekom-Vorstandsmitglied Höttges sagte, vier der derzeit laufenden Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit Datenschutz-Problemen stammten aus 2006 oder 2007, drei seien aktuell. Unter anderem sollen einem Unternehmer im August fünf Millionen Kundendaten aus dem Bestand von T-Mobile Deutschland angeboten worden sein. Man habe Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Berlin erstattet, nach einem fingierten Testkauf habe es eine Durchsuchung gegeben. Derzeit werteten die Ermittler das Beweismaterial aus.
Telekom «enormer krimineller Energie» ausgesetzt
In Bremerhaven sollen 2007 Zugangskennungen zu einer Datenplattform gestohlen worden sein. Nach neuen Erkenntnissen habe man im August Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Bremen gestellt. Im dritten aktuellen Fall ermittelt Höttges zufolge die Staatsanwaltschaft München: Einem Vertriebspartner der Telekom wurden demnach 70.000 Datensätze der T-Home zum Kauf angeboten. Zwar sei in keinem der Fälle bekannt, dass die Daten missbräuchlich eingesetzt wurden, betonte Höttges: Dennoch zeigten sie die «enorme kriminelle Energie», der das Unternehmen in diesem Bereich ausgesetzt sei.
Die Telekom war in den vergangenen Monaten mehrfach wegen verschiedener Skandale um den Datenschutz in die Kritik geraten. Im Mai hatte das Unternehmen eingeräumt, dass Telefondaten von Journalisten und Aufsichtsräten ausgewertet worden waren. Damit wollte die Telekom herausfinden, wie die Journalisten an sensible Informationen gekommen waren. In der vergangenen Woche wurde der massive Datendiebstahl von 2006 bekannt.
