Fall Pascal: Hoher Polizeibeamter im Saarland tritt zurück
veröffentlicht am 11.07.2008

Die Diskussionen um mögliche Ermittlungspannen im Fall des 2001 verschwundenen Jungen Pascal haben zu personellen Konsequenzen geführt. Der Leiter der Kriminalpolizeiinspektion im Saarland, Peter Steffes, bat am Donnerstag in einem Schreiben Innenminister Klaus Meiser (CDU), ihn von seiner Funktion zu entbinden. Steffes werde künftig eine «verantwortungsvolle Aufgabe» im Ministerium übernehmen, teilte Meiser mit.
Saarbrücken - Die Diskussionen um mögliche Ermittlungspannen im Fall des 2001 verschwundenen Jungen Pascal haben zu personellen Konsequenzen geführt. Der Leiter der Kriminalpolizeiinspektion im Saarland, Peter Steffes, bat am Donnerstag in einem Schreiben Innenminister Klaus Meiser (CDU), ihn von seiner Funktion zu entbinden. Steffes werde künftig eine «verantwortungsvolle Aufgabe» im Ministerium übernehmen, teilte Meiser mit.
Steffes begründete seinen Rückzug mit der Berichterstattung der Medien, die ihn derart in den Focus der Öffentlichkeit gerückt hätten, dass das Vertrauen in sein Amt und die Arbeit der Kriminalpolizeiinspektion erschüttert worden sei.
Die SPD bewertete die Versetzung des hochrangigen Polizeibeamten als «Schuldeingeständnis» der CDU-Landesregierung. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Stefan Pauluhn, erklärte, Steffes sei allerdings nur ein Bauernopfer, um von weiteren Verantwortlichkeiten abzulenken.
Im September 2007 waren die zwölf Angeklagten im Fall des spurlos verschwundenen Pascal aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden. Im Verfahren hatte sich die Staatsanwaltschaft überzeugt gezeigt, dass Pascal vor knapp sieben Jahren von Kinderschändern in der Saarbrücker Tosa-Klause sexuell missbraucht und dabei mit einem Kissen erstickt wurde.
Die Behörde forderte deshalb für sechs Angeklagte eine Verurteilung wegen Mordes und Sexualstraftaten, für fünf Angeklagte Haftstrafen zwischen viereinhalb und neun Jahren sowie für einen der Männer Freispruch.
Erst vor einer Woche hatte die saarländische Justiz ein schweres Versäumnis im Umfeld der Ermittlungen eingeräumt. Oberstaatsanwalt Ernst Peter Hirschmann informierte mehrere Personen über eine Bespitzelungsmaßnahme aus dem Jahr 2003. Damals waren die Verbindungsdaten von Telefonen gespeichert worden, die ein früherer V-Mann der Polizei benutzt hatte. Dabei waren auch Anrufe bei der SPD-Landtagsfraktion und dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» registriert worden. Der Mann stand angeblich im Verdacht, in seiner Vernehmung als Zeuge der Polizei Informationen vorenthalten und stattdessen der Presse gegeben zu haben.
(© AP)



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