Ihr Standort: Home -> News
  


11. Juli 2008
Ein Norweger sucht «Parsifal» in Bayreuth


Bayreuth - Der 25. Juli 2008 wird der bislang wichtigste Tag in der Karriere des Opernregisseurs Stefan Herheim. An diesem Tag präsentiert der 38-jährige Norweger beim Auftakt der diesjährigen Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth dem kritischen Publikum im Festspielhaus seine Neuinszenierung von Wagners Bühnenweihfestspiel «Parsifal». Die Erwartungen an Herheim, den vor einiger Zeit ein Kritiker als «hemmungslosesten Fabulierer des deutschen Regietheaters» charakterisierte, sind groß.

Denn Herheim soll einen deutlichen Kontrapunkt zu den beiden letzten «Parsifal»-Inszenierungen setzen, die auf dem Grünen Hügel dargeboten wurden. Einmal zu der höchst umstrittenen Version von Christoph Schlingensief, die 2007 letztmals gezeigt und vorzeitig aus dem Programm genommen wurde. Der Norweger mit Würzburger Mutter soll aber auch keinesfalls in die ausgetretenen Fußstapfen von Wolfgang Wagners altbackener Interpretation des Alterswerks seines Großvaters treten. Diese war lange Jahre (von 1989 bis 2000) zu sehen und zu hören.

Doch Herheims bisherige Opernproduktionen waren originell genug, um von dem Regisseur ein ganz eigenes Verständnis der Oper erwarten zu können: «"Parsifal" ist die Geschichte einer Nation, die sich auch politisch immer wieder Erlöserfiguren verschrieben hat und ständig ihre Vergangenheit aufarbeiten muss, soll die Zukunft zu einer erlösten Gegenwart werden», lassen die Festspielveranstalter selbst verlauten.

Deshalb wird die Inszenierung «eine Art Zeitreise». Die Stationen dieser Reise, soviel ist von den Mitte Juni begonnenen Proben schon bekannt worden, reichen vom Wilhelminismus über den Ersten Weltkrieg, die 20er Jahre, die Weimarer Republik und die düsteren Nazijahre bis hin zur Gründung der Bundesrepublik samt Wirtschaftswunder.

«In Sinnlichkeit steckt auch viele Sinn»

Herheim erklärt sein Verständnis von «Parsifal» so: «Wir erzählen die Geschichte eines reinen Toren, der Auswirkungen von Gewalt zu erkennen und somit die eigene Biografie zu reflektieren lernt». Der gutaussehende, freundlich-konzentrierte wirkende Lockenkopf aus dem Norden weiß wohl, dass sich etliche Zuschauer seiner bisherigen Bühneninszenierungen «von einer Ideen- und Bilderflut überschwemmt» gefühlt haben. Aber er besteht darauf: «Kunst wird erst dann wirklich unterhaltsam, wenn sie engagiert anregt und eben nicht nur entspanntes Zurücklehnen im Amüsement bietet.»

Herheim hat im Vergleich zu vielen anderen Opernregisseuren einen bedeutsamen Vorteil: Der Sohn eines Orchestermusikers der Osloer Oper ist selbst ausgebildeter Cellist. Deshalb kann er feststellen: «Wenn ich mich entscheide, ein Stück zu inszenieren, liegt für mich alles, wovon ich ausgehe, in der Partitur».

Das wird auch denjenigen Wagner-Pilgern Hoffnung geben, die viele Ergebnisse modernen Regietheaters als Verirrungen und Zumutungen empfinden. Stefan Herheim möchte diese Zuschauer so wenig enttäuschen wie auch alle anderen: «Oper ist Sinnlichkeit pur. Aber in Sinnlichkeit steckt auch viel Sinn, deswegen hat diese Kunst auch 400 Jahre überlebt».








 
 



* kostenlos, 2x täglich
 

Google

Mobbing-Studie

Fregatte Karlsruhe verscheucht Piraten

... das wird aber auch mal Zeit!

Wirtschaftspresse ist Pflicht auch bei Lehman

Steuernsparen

AW: Vater wegen Misshandlung von Zwillingen vor Gericht

Ach,

Metallsonde

dejdar

Fragwürdige Bewertungen


- Anzeige -

 


- Anzeige -

 

Copyright by net-tribune | Impressum | Optimiert für 1024 x 768 pxl Top