Der Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, hat sich für die Herausgabe einer kommentierten Ausgabe des Hitler-Buches «Mein Kampf» ausgesprochen. «Grundsätzlich bin ich dafür, dass das Buch mit einer Kommentierung öffentlich und sogar noch über den eigentlichen Druck eines normalen Buches hinaus vor allem im Internet zugänglich gemacht wird», sagte er im Deutschlandfunk. Der Zentralrat sei bereit, an einer solchen Kommentierung mitzuarbeiten.
Bayern ist Inhaber der Urheber- und Verwertungsrechte des Buches, die 2015 auslaufen. Der Freistaat begründet seine restriktive Haltung zur Neuveröffentlichung von «Mein Kampf» mit Verantwortung und Respekt vor den Opfern des Holocausts. Das zuständige Finanzministerium erklärte dem Deutschlandfunk zufolge, die restriktiv gehandhabte Praxis bei Abdruckgenehmigungen sei im «In- und Ausland, im Besonderen auch von der jüdischen Bevölkerung, allgemein anerkannt und hoch geschätzt». Davon abzurücken, würde weltweit enorme politische Aufmerksamkeit erregen und vermutlich auf großes Unverständnis stoßen.
Zuvor hatte sich der Historiker Hans-Ulrich Wehler dafür ausgesprochen, «Mein Kampf» historisch-kritisch zu edieren. Er hatte sich damit einer Forderung des Kuratoriums des Nürnberger Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände und des Münchner Instituts für Zeitgeschichte angeschlossen.
