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11. Mai 2008

Wenn die Pollen fliegen und die Nase läuft



Frankfurt - Die Nase läuft, die Augen jucken, und ein Hustenanfall reiht sich an den nächsten: Es ist wieder Heuschnupfenzeit - oder immer noch? Der zuletzt sehr milde Winter hat den Pollenflug in diesem Jahr wieder besonders früh starten lassen. Gerade Menschen, die auf verschiedene Pflanzenarten allergisch reagieren, haben immer weniger Verschnaufpausen. Betroffene sollten keinesfalls erst bei Beschwerden zu Sprays und Tabletten greifen, sondern auch in ruhigeren Zeiten an eine Hyposensibilisierung denken.

Mit der beschwerdefreien Zeit dürfte es aber in Kürze vorbei sein, sagt Petra von der Lage, Sprecherin der Ärzteverbands Deutscher Allergologen (ÄDA) im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. Das gilt jedenfalls für Birkenpollen-Allergiker: 2008 gilt als «Birken-Mastjahr», und es steht nach Worten von der Lages eine regelrechte Birkenpollen-Invasion bevor. «Dazu genügt ein wirklich frühlingshaftes Wochenende», prophezeit sie und erinnert an das Jahr 2006, als die Pollensaison einen ähnlichen Verlauf nahm.

Den Trend zu einem immer längeren Pollenflug kann man «seit ungefähr einem Jahrzehnt beobachten», betont von der Lage. Nach Schätzungen ihres Verbands leiden 23 bis 25 Prozent der Bundesbürger unter allergischem Schnupfen, wozu auch Allergien gegen Hausstaubmilben gehören. Allerdings sei die Zahl derjenigen Patienten, die sowohl gegen Pollen als auch gegen Milben allergisch sind, nicht zu unterschätzen.

Auf keinen Fall sollte man den Heuschnupfen als Lappalie abtun: Das gelte vor allem für Kinder, warnen die Allergologen. Denn gerade bei jungen Menschen ist die Gefahr groß, dass sich eine allergische Entzündung auf die unteren Atemwege ausdehnt und chronisches Asthma hervorruft. Eltern sollten in der Pollensaison deswegen auf Hustenanfälle bei ihren Kindern besonders achten.


Symptome lindern oder langfristige Immuntherapie


Was ist im Falle eines Falls zu tun? Für eine wirkungsvolle Immuntherapie ist es zu diesem Zeitpunkt im Jahr in aller Regel schon zu spät, wie Petra von der Lage weiter erklärt. «Im März hätte man noch mit einer Kurzzeit-Therapie starten können.» Nun bleibe nur, die Symptome mit entsprechenden Medikamenten wie kortisonhaltigen Nasensprays und Antihistaminika zu behandeln. Wichtig ist hier, nicht nur punktuell zu den Arzneimitteln zu greifen, sondern sie konstant während des Pollenflugs anzuwenden.

Allerdings sollten heuschnupfengeplagte Autofahrer bei der Einnahme rezeptfreier Medikamente vorsichtig sein: Einige Wirkstoffe aus der Gruppe der Antihistaminika können müde machen und so die Verkehrssicherheit gefährden.

Um mit einer spezifischen Immuntherapie (SIT) zu beginnen, bei der über einen längeren Zeitraum eine Toleranz des Immunsystems gegenüber Allergen aufgebaut wird, ist im Herbst dann wieder der richtige Zeitpunkt gekommen. Weil viele Leute dann aber beschwerdefrei seien, gingen sie nicht zum Arzt und versäumten so diese Gelegenheit, klagt die Expertin.


Vielleicht bringen Wurmeier schon bald Linderung


Auch abseits der etablierten Therapien sind Mediziner auf der Suche nach Behandlungsmöglichkeiten: So sucht die Berliner Charité Patienten für die bundesweit erste klinisch kontrollierte Studie zur Wirkung von Akupunktur bei Heuschnupfen. Mit ersten Ergebnissen ist ab 2011 zu rechnen. Interessierte Patienten zwischen 16 und 45 Jahren können sich unter der Rufnummer 030-4505-29146 näher informieren.

Ebenfalls an der Charité bemühen sich Forscher nach von der Lages Worten um Erkenntnisse über die Auswirkung von unschädlichen Parasiten im menschlichen Körper auf das Immunsystem. Erste Erkenntnisse bei der Behandlung von Morbus-Crohn-Patienten mit Wurmeiern hätten als Zufallsbefund gezeigt, dass der Körper zugleich weniger empfindlich für Allergien werde.




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