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11. Mai 2008

Ortsnamen Alaskas verraten Humor und Geschichte des Staates



Anchorage - «Ich wohne in "zwei Augen"». Das können die Bewohner des Ortes Eek in Alaska von sich sagen. Die Ortsnamen des abgelegenen US-Staats im hohen Norden erzählen Geschichten voller Humor und Tragödien, oft geprägt von den Weisen der einheimischen Eskimos. Auswärtige können da oft nur rätseln: Noch vor der Bedeutung stellt sich aber meist die Frage nach der Aussprache, bei Nunathloogagamiutbingoi zum Beispiel. Ein US-Forscher beschäftigt sich seit über vierzig Jahren damit, die Namen Alaskas zu katalogisieren und zu entschlüsseln.

Über 1.000 Seiten füllt Donald Orths Monografie der Ortsnamen, inklusive aller Anekdoten. Der Fluss Sagavanirktok heiße einfach so, weil es das Eskimo-Wort für starke Strömung ist. «Es rollt einfach von der Zunge - wenigstens von meiner», sagte der pensionierte Forscher des Geologischen Instituts (USGS) der USA. Deswegen publizierte er das «Lexikon der Ortsnamen in Alaska». Was in Eek passiert sein muss, der Ort, der in der Sprache der Inuit «zwei Augen» heißt, gibt dem Wissenschaftler aber Rätsel auf.

Den Fluss Mishap nennen Einheimische nur «Big Lost Creek», wegen des großen Verlustes, den ein Anwohner durch ihn erlitt: Ein Leuchtturmwärter hatte sich nackt ausgezogen, um den Fluss zu überqueren. Als er seine Kleider ans andere Ufer schleuderte, musste er traurig zusehen, wie das reißende Wasser sie mitriss. Zu dieser Geschichte passt auch der eigentliche Name Mishap, was auf Deutsch Missgeschick bedeutet.

Einfach scheint auch die Erklärung im Ort «Chicken» (Huhn) zu sein. Die alte Minenstadt erlebte ihre Hochphase zur Zeit des Goldrausches. Die Arbeiter wollten, so erzählen es sich die Einheimischen, ihren Ort nach einem häufig vorkommenden Vogel benennen. Doch dessen Name «Ptarmigan» (eine Art des Alpenschneehuhns) konnten sie nicht aussprechen. Sie nannten die Siedlung Tundra-Hühner, irgendwann blieb dann nur noch «Chicken» als Ortsname übrig.


Ortsnamen als Teil der Psyche


«Sprache, Geschichte und Geographie - die Namen bringen alles zusammen», sagte Orth. «Die Ortsnamen sind ein Teil unsere Sprache, ein Teil unserer Psyche.» Seit fast 50 Jahren begeistert sich der Geologe schon für Ortsnamen. Sein Lexikon der Namen Alaskas publizierte er bereits 1967. Seither wurde es im Internet laufend aktualisiert, doch 2009 soll eine Neuauflage erscheinen. «Das technisch unanspruchsvolle Objekt genannt Buch hat immer noch zu viele Vorteile», sagte der Verleger Flipp Todd aus Anchorage. Ein Buch lade eben mehr zum Schmökern ein.

Alaska bietet als flächengrößter US-Staat reichlich Stoff dafür. Der 1867 von Russland gekaufte Staat erstreckt sich mit 1,7 Millionen Quadratkilometern auf einer Fläche, die rund sechs Mal so groß ist wie Deutschland. Weite Teile des arktisch-subarktisches Gebirgslands sind kaum zugängig und nur mit dem Flugzeug zu erreichen, der Staat ist mit rund 700.000 Einwohnern extrem dünn besiedelt. Unter der Erdkruste verstecken sich zahlreiche Bodenschätze, insbesondere reiche Erdölvorkommen, deren Erschließung Präsident George W. Bush trotz der Kritik von Naturschützern 2007 erleichtert hat.


Wildnis soll Wildnis bleiben


Manche Ortsnamen liegen dabei auf der Hand: In den Talkeetna Bergen liegt die Big Bones Ridge - auf dem Bergrücken wurden tatsächlich große Knochen gefunden, die eines Mammuts. Aber der US-Staat hat noch unzählige Orte, Bäche und Berge, die unbenannt sind und dies auch bleiben sollen.

«Es muss wirklich gute Gründe geben, einem Platz in einer von Wildnis geprägten Landschaft einen Namen zu geben», sagte die Staatshistorikerin Jo Antonson, die bei der Vergabe neuer Namen mitentscheidet. «Die Philosophie ist, dass die Wildnis unberührt bleibt, nicht gestört von der Technologie des Menschen.»






 

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