Zollitsch erwartet kein Einlenken der Pius-Bruderschaft
veröffentlicht am 11.02.2009

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, geht davon aus, dass die umstrittene Pius-Bruderschaft nicht auf die Bedingungen der katholischen Kirche eingehen wird. «Ich sehe dort kaum die Bereitschaft einzulenken, weil sie sich so festgelegt haben, dass sie sich praktisch selbst aufgeben müssten», sagte der Freiburger Erzbischof dem «Mannheimer Morgen» (Mittwochausgabe).
Frankfurt - Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, geht davon aus, dass die umstrittene Pius-Bruderschaft nicht auf die Bedingungen der katholischen Kirche eingehen wird. «Ich sehe dort kaum die Bereitschaft einzulenken, weil sie sich so festgelegt haben, dass sie sich praktisch selbst aufgeben müssten», sagte der Freiburger Erzbischof dem «Mannheimer Morgen» (Mittwochausgabe).
Zugeständnisse in den Gesprächen zwischen Vatikan und Pius-Bruderschaft lehnte Zollitsch ab: «Nicht bei der Lehre. Die Wahrheit ist weder verhandelbar noch teilbar.» Allerdings könne man etwa über die Gestaltung der Liturgie reden, sagte Zollitsch. «Aber das uneingeschränkte Ja zu allen Konzilien und der Lehre der Päpste von Johannes XXIII. bis Benedikt XVI. ist notwendig, um in Einklang mit der Kirche zu stehen.»
Zollitsch kritisierte Fehler im Vatikan beim Umgang mit der erzkonservativen Bruderschaft: «In Rom hat man zu wenig hingehört, etwa als der exkommunizierte Bischof Bernard Tissier de Mallerais sagte, Joseph Ratzinger habe Irrlehren gelehrt.» Außerdem habe er angekündigt, Rom zu bekehren. «Das ist ein starkes Stück», sagte der Sprecher der deutschen Bischöfe. «Das heißt, die Pius-Brüder erwarten, dass Rom sich ändert, aber sie nicht.» Falls es bei dieser Position bleibe, gebe es keinen gemeinsamen Weg mehr. «Das ist Separatismus, den die Pius-Bruderschaft zu verantworten hat.»
Spitzenpolitiker von SPD und Grünen sprachen sich dafür aus, die Bruderschaft, der auch der Holocaust-Leugner Richard Williamson angehört, vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen.
Die Hauptaufgaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz seien das Sammeln und Auswerten von Informationen über verfassungsfeindliche und extremistische Bestrebungen, sagte der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses Sebastian Edathy (SPD) dem Internetangebot Handelsblatt.com. «Das Bundesamt sollte prüfen, ob die Voraussetzungen hierfür im Falle der Pius-Brüderschaft vorliegen. Meiner Auffassung nach gibt es hierfür ernstzunehmende Hinweise.»
Der Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck, sagte, die Bruderschaft widerspreche dem Grundsatz der Religionsfreiheit und richte sich gegen den freiheitlichen, weltanschaulich neutralen Staat, wie ihn das Grundgesetz und die Menschenrechtskonventionen der Vereinten Nationen vorsehen. «Eine Beobachtung der Pius-Bruderschaft durch den Verfassungsschutz könnte daher von den Gesetzen gedeckt sein.»
(© AP)




