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Das deutsche DSL-Dilemma: Festgefahren im Mittelmaß
11. Januar 2005 - 10:24 Uhr

Mainz (www.ne-na.de) - Deutschland verliert den Anschluss: Bei der Verbreitung schneller Internet-Zugänge, liegt die Bundesrepublik EU-weit nur im Mittelfeld. Gerade einmal 6,6 Breitbandleitungen pro 100 Einwohnern zählte die EU-Kommission in Deutschland. Zum Vergleich: In Dänemark sind es 15,6 von 100. Spitze sind hierzulande nur die Preise. Das berichtet das ZDF.

So wartet Hermann Gschwandter in Gelnhausen seit zwei Jahren darauf, dass die Telekom ihn ans DSL-Netz anschließt, bisher vergeblich. Der verärgerte Geschäftsmann schildert, wie der Telekommunikationskonzern ihn telefonisch abbügelte: "Da müssen Sie halt vorher anrufen, bevor Sie irgendwo hin ziehen", habe man ihn belehrt. "Ob und wann die Einwohner Gelnhausens einen zeitgemäßen Zugang zum Netz bekommen, steht noch in den Sternen. Und: Gelnhausen ist kein Einzelfall. Etwa neun Prozent aller Telefonkunden können derzeit nicht mit DSL versorgt werden", führt das ZDF aus.

Beim magentafarbenen Konzern sei man hingegen stolz auf das Erreichte. "Von 38 Millionen T-Com-Anschlüssen, können wir 34,5 Millionen sofort ans DSL-Netz anschließen", sagt Telekom-Sprecher Walter Genz. Übrig bleiben also immerhin noch 3,5 Millionen Kunden, die bislang auf bummelige Datenströme mittels Modem oder ISDN angewiesen sind. "Viele von ihnen haben das Pech, an einem zu modernen Telefonnetz zu hängen: Speziell in den östlichen Bundesländern wurde in den neunziger Jahren die Fernsprech-Infrastruktur auf fortschrittliche Glasfaserkabel umgestellt. Breitband-Internet per DSL benötigt aber dummerweise altmodische Kupferkabel. So überholt bisweilen eine Fortschrittstechnologie die andere".

Ein Grund für das DSL-Dilemma dürfte in den vergleichsweise hohen Preisen liegen, die in Deutschland für einen Breitband-Internetzugang verlangt werden. "Mit rund 15 Euro kostet eine Flatrate in Frankreich etwa halb so viel, wie bei T-Online", kritisiert Omar Khorshed vom Düsseldorfer Abrechnungsdienstleister acoreus. In Deutschland sei auf dem Breitbandmarkt "vieles falsch gelaufen", sagt Khorshed. Die Telekom habe DSL anfangs praktisch ohne Konkurrenz vermarkten können. "Die Regulierungsbehörde hat viel zu zögerlich reagiert", so Khorshed. Obendrein sei das verspätete Einschreiten dann "in die falsche Richtung" gegangen.

Tatsächlich existiere in Deutschland bei DSL-Anschlüssen kaum ein nennenswerter Wettbewerb. Egal ob auf einem Vertrag AOL, 1&1, Freenet, Strato oder GMX stehe: Genau genommen kauft ein DSL-Kunde stets ein Produkt der Telekom-Tochter T-Com, auf dem lediglich ein anderes Etikett klebe. "So lange Wettbewerber zu reinen Wiederverkäufern der Telekom degradiert werden, haben wir in diesem Bereich nur einen Scheinwettbewerb", sagt Khorshed.

Obendrein scheint der Rosa Riese es bei der Belieferung seiner Mitbewerber nicht besonders eilig zu haben: "Insider vermuten, dass 120.000 Kunden von Wiederverkäufern auf Anschlüsse warten, die sie teilweise schon vor Monaten bestellt hatten. Die United Internet AG will aus diesen Verzögerungen nun Konsequenzen ziehen und zunächst in Ballungsräumen eine eigene DSL-Infrastruktur aufbauen", berichtet das Handelsblatt.

Mittlerweile sei das Thema auch in der obersten Etage der Politik angekommen. "Es ist eine Schande, dass wir schon seit Jahren das Breitbandkabel in der Erde liegen haben, ohne es zu nutzen", kritisierte Wirtschaftsminister Clement Ende vergangenen Jahres auf einer Fachtagung. Er kündigte an, sein Ministerium würde einen "Breitband-Atlas" erstellen, aus dem ersichtlich sei, welche Technologien in welchen Regionen nutzbar seien. Im Jahre 2005 dürfte diese Übersicht noch etliche weiße Flecken aufweisen.



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