Ein Ingenieur hat am Donnerstag vor dem Oberlandesgericht Stuttgart seine Beteiligung am Aufbau des libyschen Atomwaffenprogramms gestanden. Dies teilte eine Sprecherin des OLG mit. Dem Geständnis war ein Absprache zwischen Bundesanwaltschaft, Verteidigung und dem Gericht vorausgegangen. Das Gericht sagte demnach zu, nicht mehr als sechs Jahre Gefängnis zu verhängen.
Der 65-jährige Gotthard Lerch habe eingeräumt, die Herstellung von Teilen einer Gasultrazentrifugenanlage in Südafrika unterstützt zu haben, teilte das Oberlandesgericht mit. Nach den Feststellungen der IAEA sei die Anlage für das aufgegebene libysche Atomwaffenprogramm bestimmt gewesen. Die Bundesanwaltschaft hatte dem Ingenieur zum Prozessauftakt im Juni vorgeworfen, Teil eines internationalen Netzwerks um den als «Vater der pakistanischen Atombombe» geltenden Abdul Qadeer Khan gewesen zu sein.
Die Anklage legt ihm zur Last, Libyen seit 1999 bei der Entwicklung und beim Bau von Gasultrazentrifugen für die Hochanreicherung von Uran zur Herstellung von Atomwaffen unterstützt zu haben. Der Ingenieur habe gegen das Kriegswaffenkontroll- und Außenwirtschaftsgesetz verstoßen. Die Zentrifugenteile habe er in Südafrika herstellen lassen. 2003 waren ein Frachtschiff mit Bauteilen auf dem Weg nach Libyen gestoppt und damit die Lieferung verhindert worden.
Der Ingenieur soll laut Anklage für seine Dienste damals rund 55 Millionen Mark (rund 28 Millionen Euro) bekommen haben. Mit dem Betrag war nach Darstellung der Staatsanwaltschaft auch die Herstellung der Zentrifugen abgegolten worden. Das illegale Geschäft war nach Gerichtsangaben aufgrund von Tipps der Geheimdienste CIA und BND aufgeflogen. Nachdem das Geschäft aufgeflogen war stoppte Libyen 2004 sein Atomwaffen- und Chemiewaffenprogramm. Der Staat hatte sich 1997 an Khan gewandt, um an Kernwaffentechnologie zu kommen.
Das Urteil soll am 16. Oktober verkündet werden.
