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10. Oktober 2008
Merkel für breitgefächertes Studienangebot an Hochschulen


Lüneburg - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich für ein modernes Hochschulsystem wie das der niedersächsischen Universität Lüneburg ausgesprochen. Am letzten Tag ihrer Bildungsreise lobte die CDU-Politikerin den dort vollzogenen Wechsel zum Bachelor- und Master-System sowie den Grundsatz, ein Haupt- und ein Nebenfach zu studieren. «Das bedeutet, dass Kombinationen sehr vielfältiger Art entstehen. Ich glaube, dass die Anforderungen im Berufsleben heute deutlich differenzierter sind», sagte die studierte Physikerin am Donnerstag in Lüneburg.

Auch sei die Uni Lüneburg ein Beispiel dafür, aus den Bachelor- und Masterstudiengängen das zu machen, was im Bologna-Prozess angelegt sei, beispielsweise Module aneinanderzureihen. «Ich gehe mit dem festen Eindruck zurück nach Berlin, dass hier etwas Spannendes entsteht», lobte die CDU-Politikerin. Dem sogenannten Bologna-Prozess zufolge sollen bis 2010 in Europa flächendeckend Bachelor und Master als Hochschulabschlüsse eingeführt sein. Das Studium soll damit schneller und praxisnäher laufen und die Abschlüsse europaweit vergleichbar sein.

Die Uni Lüneburg gilt als Vorreiter für die Umstellung der klassischen Diplom- und Magisterstudiengänge auf das neue System. Im Dezember 2007 wurde die Hochschule vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft als kleine Exzellenzhochschule ausgezeichnet.

Im Rahmen ihres zweistündigen Besuches ließ sich die Kanzlerin auch von Architekt Daniel Libeskind seine Baupläne für die Uni vorstellen und sprach mit 15 Vertretern der Studentenschaft über die Neuausrichtung der Hochschule.

Studenten fordern Bildungsgipfel-Beteiligung

Die Studenten gaben Merkel einen offenen Brief und einige Forderungen für den in knapp zwei Wochen stattfindenden Bildungsgipfel mit auf den Weg. Unter anderem solle sie sich für eine bessere finanzielle Ausstattung der Universitäten einsetzen sowie dafür, dass Kompetenzen im Bereich der Hochschulbildung auf Bundesebene zusammengeführt werden.

Außerdem forderten sie, dass Studenten zum Bildungsgipfel eingeladen werden. «Ohne die Beteiligung von Schülern und Studenten ist der Bildungsgipfel zum Scheitern verurteilt», sagte Studentenvertreter Sebastian Heilmann nach dem Gespräch. Nur wenn die später Betroffenen auch dabei seien, könne der Gipfel etwas werden.

Diesem Wunsch verliehen rund 150 Studierende mit einer Demonstration auf dem Campus Nachdruck. Insgesamt beobachteten mehrere hundert Studenten den Besuch der Kanzlerin und verabschiedeten sie teils mit Pfiffen, teils mit Applaus.

Reise mit Hochschule Magdeburg-Stendal beendet

Am Nachmittag schloss Merkel ihre Bildungsreise mit einem Besuch der Hochschule Magdeburg-Stendal ab. Dort informierte sich die Kanzlerin über einen 13-monatigen Aufbaustudiengang im Bereich Maschinenbau, mit dem arbeitslose Akademiker wieder fit für den Job gemacht werden.

Unterdessen meldeten sich erneut Kritiker der Reise zu Wort. «Reisen bildet nur eingeschränkt. Zumindest wenn man wie die Kanzlerin ausschließlich die Wellness-Oasen der deutschen Bildungslandschaft besucht», erklärte der hochschulpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag, Kai Gehring. Für die größten Baustellen im Bildungssystem habe sie keine Augen gehabt. Die bildungspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Linken, Nele Hirsch, forderte von der CDU, zu handeln statt zu träumen sowie die Bildungsausgaben zu erhöhen.

Die Bildungsgewerkschaft GEW wertete die Reise prinzipiell als gutes Zeichen. «Das Thema Bildung ist eine gesamtstaatliche Verantwortlichkeit», sagte der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne der AP. Da sei es gut, dass sich Merkel des Themas angenommen habe. Nun sei aber die Frage, was daraus gemacht werde.

Seit Ende August besucht Merkel Bildungs- und Erziehungseinrichtungen in ganz Deutschland. In insgesamt 13 Kindergärten, Schulen, Ausbildungsstätten und Hochschulen machte sich die Kanzlerin ein Bild von der Bildungssituation im Land. Dies dient der Vorbereitung des Bildungsgipfels, zu dem Bund und Länder am 22. Oktober in Dresden zusammenkommen.

 








 
 



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