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10. Oktober 2008
Island verstaatlicht auch größte Bank Kaupthing


Reykjavik - Zur Verhinderung eines völligen Zusammenbruchs seines Bankensystems hat Island auch die größte Bank Kaupthing verstaatlicht. Mit der Entscheidung vom Donnerstag stehen nun alle drei großen Finanzinstitute des von der internationalen Finanzmarktkrise arg in Bedrängnis geratenen Landes unter staatlicher Verwaltung. Wegen der heftigen Turbulenzen wurde auf der Insel der Börsenhandel vorübergehend ausgesetzt. Die Geschäfte sollen erst am Montag wieder aufgenommen werden.

Die Finanzaufsicht in Reykjavik erklärte, die Filialen von Kaupthing blieben am Donnerstag wie gewohnt zugänglich und die Einlagen der einheimischen Kunden seien nach isländischem Recht gesichert.

Die Behörde erklärte, der Schritt sei notwendig, um einen ordnungsgemäßen Ablauf der Bankgeschäfte und die Sicherheit der Einlagen zu garantieren.

Deutsche Kunden ohne Zugriff auf Online-Konten

In Deutschland konnten Kunden von Kaupthing Edge am Donnerstag nicht auf ihr Online-Konto zugreifen, Kunden der isländischen Bank Kaupthing Edge in Deutschland können derzeit nicht mehr auf ihr Online-Konto zugreifen. Auf der deutschen Internetseite kaupthingedge.de, auf der immer noch mit besonders hohen Zinsen für Tagesgeldkonten geworben wird, hieß es dazu: «Sehr geehrte Kaupting Edge Kunden, die Kaupthing Bank wurde heute unter die Aufsicht der isländischen Bankenaufsicht gestellt. Derzeit ist der Zugriff auf die Online Konten nicht möglich. Sie erhalten schnellstmöglich weitere Informationen.»

Nach der Entscheidung zur Verstaatlichung von Kaupthing in Island schloss die Finanzaufsicht in Finnland die dortige Kaupthing-Tochter am Donnerstag vorübergehend. Die Behörde erklärte, dass seit Montag der Geldstrom isländischer Banken in Finnland gestoppt worden sei. Zudem könnten derzeit keine Abhebungen in den finnischen Kaupthing-Filialen gemacht werden.

Island zahlt Preis für vergangenen Boom

Die Regierung in Island hat bereits die Kontrolle über die Finanzinstitute Landsbanki und Glitnir übernommen. Beide stehen mittlerweile unter Zwangsverwaltung. Alle drei Banken werden für die heftige Finanzkrise verantwortlich gemacht, die die isländische Volkswirtschaft an den Rand des Ruins gebracht hat.

Auch in weiteren europäischen Ländern zeigte die isländische Krise Folgen: So will die britische Regierung mit rechtlichen Schritten für die Einlagen britischer Sparer bei Landsbanki kämpfen. Berichten zufolge haben 300.000 Briten Millionen bei deren Internet-Filiale Icesave angelegt, wo keine Abhebungen mehr möglich sind. Der isländische Ministerpräsident Geir H. Haarde sagte, dass Gespräche zwischen beiden Ländern begonnen hätten, um eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung zu finden.

Im britischen Fernsehen hatte Finanzminister Alistair Darling am Mittwoch gesagt: «Glauben Sie es oder nicht: Die isländische Regierung hat mir gestern gesagt, dass sie nicht beabsichtigt, ihren Verpflichtungen in Großbritannien nachzukommen.»

Haarde hatte am Montag vor einem Staatsbankrott in Island gewarnt. Am Mittwoch sagte er, das Land werde einige Jahre benötigen, um sich von der Krise zu erholen, der Bankensektor seines Landes sei «zu groß» geworden. Island zahlt derzeit den Preis für den vergangenen Wirtschaftsboom, als die Unternehmen des Landes in Europa auf Einkaufstour gingen und der Finanzsektor ein beispielloses Wachstum verzeichnete.








 
 



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