Die Lösung scheinbar aussichtsloser Konflikte ist seine Spezialität. Der frühere finnische Präsident Martti Ahtisaari erhält in diesem Jahr den Friedensnobelpreis für seine unermüdliche weltumspannende Rolle als rastloser Vermittler. Das Rüstzeug für diese Aufgaben holte sich der ausgebildete Lehrer nach dem Eintritt in den diplomatischen Dienst. Insgesamt verbrachte er 20 Jahre außerhalb Finnlands - zunächst als Botschafter in Tansania und schließlich bei den Vereinten Nationen in New York. Für sechs Jahre, von 1994 bis 2000, war er finnischer Staatspräsident.
Zu diesem Zeitpunkt lag bereits eine beachtliche Diplomatenkarriere hinter Ahtisaari, dem eine Leidenschaft zum Angeln und Golfen nachgesagt wird. So wurde er nach seiner Zeit in Afrika Stellvertreter des UN-Generalsekretärs für den Bereich Verwaltung und Management in New York und leitete die Verhandlungen der Vereinten Nationen, die 1990 nach jahrzehntelangen Konflikten zur Unabhängigkeit Namibias führten.
Danach zog es Ahtisaari zurück nach Finnland, wo er 1991 Staatssekretär im Außenministerium wurde. Angesichts des Konflikts auf dem Balkan war seine große außenpolitische Erfahrung auch in dieser Zeit gefragt, und Ahtisaari wurde Vorsitzender der Arbeitsgruppe Bosnien-Herzegowina bei der Internationalen Jugoslawien-Konferenz und ab 1993 erneut Sonderbeauftragter des UN-Generalsekretärs für das frühere Jugoslawien.
Verhandlungsgeschick vielfach unter Beweis gestellt
Sein Verhandlungsgeschick und die Fähigkeit zur Beurteilung internationaler Konflikte stellte er immer wieder unter Beweis. So hatte Ahtisaari 1999 als Vermittler der Europäischen Union maßgeblich zu dem Kompromiss zwischen der NATO, Russland und dem damaligen jugoslawischen Staatspräsidenten Slobodan Milosevic beigetragen, der den Rückzug der serbischen Truppen aus dem Kosovo und damit ein Ende der NATO-Luftangriffe ermöglichte.
In das Rennen um das Präsidentenamt in Finnland ging Ahtisaari angesichts seiner langen Zeit im Ausland als politischer Außenseiter. Zugleich sahen viele in seiner Kandidatur aber auch frischen Wind für die finnische Politik. In seine Amtszeit fiel der Beitritt des Landes zur Europäischen Union im Jahr 1995. Während der finnischen EU-Ratspräsidentschaft 1999 nannte Ahtisaari die Intensivierung der Beziehungen zwischen EU, Russland und den Vereinigten Staaten als eines der wichtigsten Ziele.
Landespolitik brachte ungewohnte Probleme
Als Präsident bereiste er Finnland und andere Länder intensiver als seine Vorgänger. Er lernte aber auch die mitunter schwierigen Seiten der Innenpolitik kennen. So erschien er vielen Beobachtern häufig ungeduldig und verletzt, wenn er in den Medien Kritik an seiner Person lesen musste. Auf internationalem Parkett fühlte er sich stets besser aufgehoben. Nach sechs Jahren stellte sich Ahtisaari nicht mehr für eine weitere Amtszeit zur Verfügung.
Als Politrentner sah der begeisterte Europäer seine Zukunft indes nicht: Für seine Verdienste wurden ihm nach dem Ende der Präsidentschaft verschiedene internationale Ämter angeboten, darunter beim UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Doch er lehnte ab und widmete sich fortan wieder seiner Vermittlerrolle in aller Welt. Dafür gründete er eigens eine Organisation, die Crisis Management Initiative (CMI).
«Zu einer friedlicheren Welt beigetragen»
Das norwegische Komitee würdigte am Freitag in Oslo seine unermüdlichen Anstrengungen zur Lösung internationaler Konflikte und bescheinigte Ahtisaari, «zu einer friedlicheren Welt beigetragen» zu haben. Damit meinte das Gremium vor allem die Vermittlung zwischen Indonesien und der abgespaltenen Provinz Aceh. Nach fast 30 Jahren Bürgerkrieg unterzeichneten Regierung und Rebellen im August 2005 in Finnland ein Friedensabkommen - unter Vermittlung des früheren finnischen Präsidenten.
Auch auf den Balkan kehrte Ahtisaari zurück: Als UN-Sondergesandter präsentierte er Anfang 2007 einen Plan für eine international überwachte Unabhängigkeit des Kosovos. Serbien und auch Russland lehnten dies jedoch entschieden ab, woraufhin die Mission für gescheitert erklärt wurde. Sein Entwurf diente aber als wichtiger Baustein für die kosovarische Verfassung nach der Erklärung der Unabhängigkeit im Februar dieses Jahres.
Darüber hinaus führte ihn seine Arbeit zu vielen weiteren Brandherden rund um den Globus, darunter nach Nordirland, Zentralasien und ans Horn von Afrika. Erst in diesem Monat war Ahtisaari mit dem Friedenspreis der UNESCO ausgezeichnet worden - «für seinen lebenslangen Beitrag zum Frieden auf der Welt».
