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10. Oktober 2008
Verstaatlichungen oder Auffanglösung


Washington - Milliardenschwere Rettungspakte der US-Regierung und konzertierte Zinssenkungen der wichtigsten Notenbanken der Welt sind bisher wirkungslos an den Aktienmärkten verpufft. Die Kurse rasen umgebremst in die Tiefe. Scheinbar hilflos müssen die Regierungen großer Industriestaaten - allen voran der USA - zusehen, wie die Weltwirtschaft immer stärker in Bedrängnis gerät.

Angesichts der bereits zugesagten Hilfspakete scheint der Handlungsspielraum der US-Regierung geringer zu werden. Doch Experten sehen durchaus noch Optionen. So könnte die Regierung beispielsweise direkt Kredite an Hausbesitzer vergeben, um die Immobilienkrise zu dämpfen. «Die bisherige Konzentration von Verwaltung und Kongress auf die Wall Street ist kurzsichtig», meint denn auch der Wirtschaftsberater des früheren US-Präsidenten Bill Clinton, Rob Shapiro.

Zinssenkung reichen nicht immer

Eine Verstaatlichung angeschlagener Privatunternehmen im großen Stil wäre eine weitere, bei konservativen US-Politikern aber wohl wenig beliebte Option. Derzeit prüft das US-Finanzministerium zumindest den Einstieg bei einigen US-Banken.

Einige Experten empfehlen eine weitere Lockerung der geldpolitischen Zügel. Allerdings liegt der Leitzins in den USA seit der jüngsten Senkung bei 1,5 Prozent - viel Spielraum nach unten bleibt also nicht. Seit September 2007 hatte die US-Notenbank Fed die Zinsen wegen der Finanzkrise in mehreren Schritten nach unten geschraubt.

Ein Blick nach Japan zeigt allerdings auch, dass billiges Geld nicht immer ausreicht, um Wirtschaftskrisen zu verhindern. In Japan lagen die Zinsen jahrelang bei nahezu null Prozent, ohne dass die schwächelnde Konjunktur in Schwung kam.

Am Kernproblem der Krise vorbei

Viele Ökonomen meinen, dass die bisherigen Maßnahmen von US-Regierung und Notenbank an dem Kernproblem der Krise vorbeigehen: Den rasant fallenden Immobilienpreisen in den USA und der steigenden Zahl von Pleiten von Hausbesitzern. Der frühere Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, Glenn Hubbard, empfiehlt daher, die US-Regierung sollte alle Kredite, die die jüngst verstaatlichten Hypothekengiganten Fannie Mae und Freddie Mac vergeben haben, in 30-jährige Darlehen mit einem festen Zins von 5,25 Prozent umschulden.

Zudem sollte die Regierung über eine Auffanglösung nach dem Modell der Resolution Trust Corp. (RTC) nachdenken, das die Regierung Ende der 80er Jahre nach dem Zusammenbruch mehrerer Spar- und Darlehenskassen erfolgreich zur Bekämpfung der damaligen Finanzkrise einsetzte.

Die 1989 vom Kongress gegründete RTC versetzte den Staat in die Lage, Grundvermögen, Hypotheken und andere Anlagen zur Stützung des Marktes zu kaufen, die aus dem Bestand hunderter zusammengebrochener Spar- und Darlehensbanken stammten. Die RTC verkaufte die erworbenen Vermögen über Jahre hinweg und wurde später aufgelöst.

Derzeit arbeitet die US-Regierung mit Hochdruck an der Umsetzung des 700 Milliarden Dollar schweren Rettungspakets für die Finanzbranche. Es wird nach Angaben von Finanzminister Henry Paulson allerdings noch Wochen dauern, bis die Regierung den Banken die ersten faulen Hypothekenkredite abkaufen wird. Ob sich die Lage bis dahin entspannt, ist derzeit nicht abzusehen.








 
 



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