Jeder zehnte Jugendliche leidet bis zu seiner Volljährigkeit mindestens ein Mal unter einer depressiven Phase. Neben belastenden Ereignissen wie etwa Trennungen sowie erblichen Faktoren können auch bestimmte Erziehungsmuster dabei eine Rolle spielen, wie der Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Ulrich Fegeler, berichtet. Für Eltern sei eine echte Depression ihres Kindes oft nur schwer von den bei Teenagern üblichen Stimmungsschwankungen zu unterscheiden.
Ab dem 12. Lebensjahr steige die Häufigkeit einer schweren seelischen Erkrankung statistisch gesehen stark an. «Eltern sollten bei einem starken Stimmungstief oder einer deutlichen Änderung des Verhaltens, das mehr als zwei Wochen andauert und mehrere Lebensbereiche des Jugendlichen betrifft, wie Schule, Freunde und das Zuhause, ihren Kinder- und Jugendarzt zu Rate ziehen», empfiehlt Fegeler. Denn wie bei betroffenen Erwachsenen bestehe auch bei einigen depressiven Jugendlichen ein stark erhöhtes Suizidrisiko.
Der Arzt könne andere Erkrankungen ausschließen, wie etwa eine Schilddrüsenunterfunktion mit Antriebsarmut. Typisch für Depressionen bei Jugendlichen ist, dass sich oft Unruhe, Ängstlichkeit, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen mit einer trotzigen Haltung abwechselten. Die Betroffenen haben laut Fegeler häufig Leistungsprobleme, ziehen sich zurück, leiden unter Antriebsmangel, Zukunftsängsten sowie Selbstwertproblemen. Auch Reizbarkeit, geringe Frustrationstoleranz und Jähzorn könnten in der Pubertät auf eine Depression hinweisen, betont der Arzt.
