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10. April 2007
Marathon mit RFID-Chips und GPS
Columbus - Wenige Minuten nach dem Start des Marathonlaufs in San Diego erscheint auf dem Handy von Brendan Burke eine SMS mit der ersten Zwischenzeit seiner Frau. Bis zum Zieleinlauf nach 42,195 Kilometern wird Brendan auf dem Laufenden gehalten, auch wenn er in New Jersey bleiben musste und nicht nach Kalifornien kommen konnte.
Immer mehr Marathon-Veranstalter in den USA, aber auch in Deutschland, wollen mit solchen Angeboten Freunden und Angehörigen der Teilnehmer das Mitleiden unterstützen. «Stets konnte ich sehen, was ihre Zeit war und mir vorstellen, wie sie sich fühlte», sagt der 33-jährige Brendan Burke zum Marathon-Debüt seiner Frau. «Das gab mir wirklich das Gefühl, als ob ich mit ihr laufen würde.»
Beim Marathonlauf in Boston kann man online bis zu fünf Läufer auswählen, deren Zeiten man angezeigt bekommen möchte. Im vergangenen Jahr meldeten sich bereits mehr als 10.000 Teilnehmer und damit etwa jeder Zweite zu diesem Service an. In Chicago gibt es Informationen direkt an der Strecke. Freiwillige laufen dort mit einem Notebook herum und geben Auskunft über die Zwischenzeiten einzelner Läufer.
Diese sind mit Schuhen unterwegs, denen ein RFID-Chip in die Sohle eingefügt wurde. An mehreren Abschnitten der Strecke laufen die Teilnehmer über große Gummimatten, wo die Informationen des Funkchips ausgelesen werden. Teilnehmernummer und Zeit werden gespeichert und an eine zentrale Datenbank gefunkt. Von dort aus werden die Zeiten auf einer Web-Site zu gezielten Abfragen bereit gestellt oder an registrierte Nutzer in einer SMS oder E-Mail übermittelt. Das Ganze dauert nur zwei bis vier Sekunden.
Beim Marathonlauf in New York ist das System schon seit sieben Jahren im Einsatz. Heute kann man sich aussuchen, auf welchem Weg die Daten von elf Streckenpunkten übertragen werden sollen. «Wir müssen unsere Veranstaltungen so attraktiv und aufregend wie möglich machen», sagt der Sprecher des New York Marathons, Richard Finn. Denn die Konkurrenz schläft nicht. Beim Houston Marathon kann man den Lauf einzelner Teilnehmer auf einer Online-Karte verfolgen. Nach dem Lauf gibt es detaillierte Zusammenfassungen und Video-Clips. Der im Startgeld von 75 Dollar (56 Euro) enthaltene Service freut auch die Sponsoren. Denn damit steigen die Zugriffe auf die Webseiten des Veranstalters mit den Werbehinweisen.
Zu den führenden Anbietern von Zeitabnahmesystemen bei Laufwettbewerben gehören ChampionChip in Nijmegen, Active.com in San Diego und Mika Timing in Köln. Neben den bewährten RFID-Systemen wird jetzt auch mit GPS-Techniken experimentiert. In San Diego und in Nashville können die Läufer in diesem Jahr ein kleines Handy mitführen, das die mitfiebernden Fans jederzeit über die aktuelle Position unterrichtet.
Wenn es gut läuft, freuen sich alle mit. Aber wenn das «Online-Tracking» anzeigt, dass es auf der endlos langen Strecke offenbar zu Problemen kommt, dann bleibt der Läufer oder die Läuferin mit diesen völlig allein - und plagt sich obendrein mit der Vorstellung, dass die Freunde und Verwandten jetzt ebenfalls am Verzweifeln sind. Als Nadine Valco beim letzten Marathonlauf in New York Magenkrämpfe bekam und zurückfiel, quälte sie sich beim Gedanken an ihre Freunde und Kollegen in Ohio nur umso mehr: «Die ganze Zeit habe ich auf der Strecke gedacht: "Jeder in Columbus weiß jetzt, dass das Rennen nicht so gelaufen ist, wie ich es mir erhofft habe."»

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