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Viele Internet-Radios vor dem Aus!
10. Januar 2005 - 12:11 Uhr

Bonn (www.ne-na.de) - Einem Bericht des Internet-Magazins ZDNet zufolge stehen viele Webradio-Stationen in Deutschland vor dem Aus: Die oft sehr speziellen Angebote konnten die Nutzung der Urheberrechte bislang über GEMA und GVL problemlos abwickeln. Ab April 2005 plant die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL) jedoch neue Tarife und neue Nutzungsbedingungen. Dies führt voraussichtlich zu einer massiven Erhöhung der Kosten eines Webradios.

Zahlte ein Sender bislang im Monat 26,75 Euro an Vergütung an die GVL, so werden es ab April 2005 über 350 Euro pro Monat sein. Für 90 Prozent der schätzungsweise über 15.000 vorhandenen Webradios wird das das Ende ihrer Tätigkeit darstellen. Diese Projekte arbeiten zumeist werbefrei und werden diese Kosten daher nicht tragen können.

Mehrere Sender sind schon von der GVL angeschrieben worden und wurden über die neuen Tarife, die ab April 2005 gelten sollen, informiert. Die neuen Tarife und Nutzungsbedingungen bedeuten für viele der kleinen, nichtkommerziellen Sender das AUS für ihre Sendetätigkeit oder den Fall in die Illegalität, wenn ohne GVL/GEMA Lizenzierung weitergesendet wird.

Die hohen Kosten sind aber nicht das einzige Problem, hinzu kommen die deutlich verschärften Nutzungsbedingungen. So bezahlen Webradios nicht nur für das Senden von urheberrechtlich oder leistungsschutzrechtlich geschützter Musik, sondern sollen jetzt auch für das Speichern derselben in digitaler Form auf dem PC zur Kasse gebeten werden. Zudem werden die Websender verpflichtet, das Aufzeichnen der Sendungen auf den PCs der Hörer zu verhindern.

Weitere Einschränkungen betreffen die Programmgestaltung und -ankündigung. Diese Einschränkungen machen es unter anderem unmöglich, so genannte "Specials" über eine bestimmte Band zu senden, da nicht mehr als drei Titel von einem Album oder vier Titel eines Künstlers oder einer Compilation von Musiktiteln innerhalb von drei Stunden gesendet werden dürfen.

Ein Träger der GVL ist die IFPI, die Deutsche Landesgruppe der Internationalen Vereinigung der Phonographischen Industrie. Sie beteiligt sich seit geraumer Zeit an einer Kampagne für mehr Musikauswahl im Rundfunk, Stichwort Radioquote, und hat erst am 17.12.2004 im Bundestag einen Entschluss erwirkt, der die Rundfunkanstalten auffordert, "im Rahmen einer freiwilligen Selbstverpflichtung einen bestimmten Anteil für musikalische Neuheiten im Programm zu verankern und geeignete Sendeformate zur Nachwuchsförderung anzubieten."

Eine lebendige und unabhängiges Radiokultur, wie es viele private Webcaster bieten, passt dabei der IFPI offenbar nicht ins Konzept. Durch die geplanten Lizenz- und Nutzungsbedingungen für Webcasting wird musikalische Vielfalt im Webradio vor allem teurer. Über den Radioring - Verbund der Internetradiosender - wird daher derzeit eine breit angelegte Aktionswelle gegen dieses Vorhaben organisiert. Man wolle mit den Verwertungsgesellschaften zusammen ein faires und sinnvolles Lizenzierungsmodell entwickeln.



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Freitag, 05. Dez. 2008







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