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09. Oktober 2008
Klimawandel schreitet schneller voran


Berlin - Der Klimawandel schreitet schneller voran als befürchtet. Der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber, sagte am Donnerstag, in diesem Jahrhundert würde der Meeresspiegel voraussichtlich sogar um einen Meter ansteigen: «Die Situation ist dramatischer als vor drei Jahren.» Bundesumweltminister Sigmar Gabriel warnte davor, das Engagement für den Klimaschutz infolge der Finanzmarktkrise zu vernachlässigen.

Aus dem Jahr 2005 stammen die Daten, die dem Szenario des Weltklimarates zugrunde liegen. Der Weltklimarat (IPCC) hatte geschätzt, dass der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 zwischen 18 und 59 Zentimetern ansteigt. Weitere 10 bis 20 Zentimeter wären möglich, wenn das schnelle Abschmelzen des Polareises fortschreitet.

Der nun prognostizierte erhöhte Meeresspiegelanstieg ist laut Schellnhuber auf das beschleunigte Abschmelzen der Himalaya-Gletscher und des grönländischen Eisschildes zurückzuführen. Der Forscher, der auch stellvertretender Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen (WBGU) ist, führte das beschleunigte Abschmelzen des grönländischen Eisschildes auf die massive Emission von Rußpartikeln aus den Schornsteinen chinesischer Kohlekraftwerke zurück.


Kollaps des Amazonas-Regenwaldes befürchtet

«Das ist ein echt globaler Effekt», sagte er. Durch die Ablagerung der Partikel sei das Eis nicht mehr so weiß und könne die Sonne nicht mehr so gut reflektieren. Dadurch erwärme sich der Schild und schmelze. «Die Luftverschmutzung spielt eine massive Rolle bei der Beschleunigung des Klimawandels.»

Schellnhuber warnte auch, dass das von der Politik gesetzte Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, nur umgesetzt werden könne, wenn eine Wende bei der Emission der Treibhausgase in spätestens zehn bis 15 Jahren erreicht werde. Dazu gehöre, dass der Ausstoß von Treibhausgasen bis 2050 weltweit halbiert werde und der Ausstieg aus der Kohlendioxidproduktion bis zum Ende des Jahrhunderts gelinge. Er verwies auf Studien, die schon jetzt eine Erwärmung von 2,4 Grad kaum noch für vermeidbar halten. Dann müsse man auch mit einem Kollaps des Amazonas-Regenwaldes rechnen, warnte Schellnhuber.


Greenpeace wirft Gabriel Schizophrenie vor

Umweltminister Gabriel bekannte sich zum Klimaschutz trotz Finanzkrise. Der SPD-Politiker sagte, nach dem Platzen der Spekulationsblase bestehe die Chance, dass sich die Investitionen wieder auf die reale Wirtschaft konzentrierten. Die Zukunft gehöre grünen Technologien. Eine ambitionierte Klimaschutzpolitik könne in Deutschland bis 2020 rund 500.000 neue Arbeitsplätze schaffen.

In Deutschland dürfe es keinen Zweifel an der Umsetzung des Klima- und Energiepaketes mit seinen Schwerpunkten Ausbau der erneuerbaren Energien, Steigerung der Energieeffizienz und Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung geben. Verstärkter Anstrengungen bedürfe es im Gebäudebereich, beim Verkehr und in der Landwirtschaft. «Wir heizen immer noch mehr unseren Vorgarten als unser Wohnzimmer», mahnte der SPD-Politiker.

Der Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid nannte das Verhalten Gabriels schizophren. Zwar rede der Minister von der Verschärfung des Klimaschutzes, lasse aber gleichzeitig zu, dass in Deutschland derzeit 25 neue Kohlekraftwerke geplant würden. Der Ernst der Lage erfordere ein rigoroses Umlenken bei der Stromerzeugung, denn da entstehe der größte Anteil an Treibhausgasen, erklärte Smid. «Wir müssen weg von der Kohle, hin zu erneuerbaren Energien», forderte er.








 
 



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