«Endlich sind die richtigen Geräte da», sagt o2-Manager Markus Haas und meint damit die neuen und mit großen Displays ausgestatteten Handys mit Internet-Zugang. Damit gebe es auch neuen Schwung für das mobile Breitbandnetz UMTS.
Die Freude von Haas ist verständlich, denn vor acht Jahren hat er für das damalige Mobilfunkunternehmen Viag Interkom bei der Versteigerung der UMTS-Lizenzen die Zahlen in den Bietcomputer eingegeben. 16,52 Milliarden Mark (8,56 Milliarden Euro) kostete schließlich die UMTS-Lizenz.
Aus Viag Interkom ist inzwischen Telefonica o2 Germany geworden. Vor zehn Jahren, am 1. Oktober 1998, startete das Unternehmen noch als Viag Interkom als vierter Anbieter in Deutschland den Mobilfunkbetrieb - in einigen ausgewählten Ballungszentren. Die großen Boomzeiten im Mobilfunkmarkt sind inzwischen vorbei, der Markt gilt als weitgehend gesättigt. Die Hoffnung für die Zukunft ist das mobile Internet und mit ihm die schnelle Übertragungstechnik UMTS.
Denn nach der Versteigerung der Lizenzen 2000 hat sich erst einmal nicht viel getan. Die Technik war zwar schon da, aber es fehlte die Infrastruktur und es fehlten die Geräte. Seit einem Jahr aber sei die UMTS-Nutzung erheblich gestiegen, sagt Haas, der bei o2 unter anderem für den Geschäftsbereich Regulierung und Recht zuständig ist, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. Es werde mehr und mehr mit dem Notebook oder mit dem Mobiltelefon im Internet gesurft. 25 Prozent der Mobilfunkkunden nutzen mittlerweile mobile Datendienste, wie E-Mail und mobiles Internet. Hier gebe es noch Luft in Deutschland, sagt Haas. In anderen Ländern sei es schon die Hälfte.
Flatrate für sechs Monate
Eines der Zauberworte der Zukunft könnte Mobile Payment heißen, bezahlen mit dem Handy. Schon jetzt ist es in etlichen Städten möglich, zum Beispiel die Bus- oder U-Bahnfahrtkarte mit dem Guthaben auf dem Handy zu bezahlen. «Aber Deutschland ist hier noch Entwicklungsland», sagt der 36-jährige Haas. Gemeinsam mit Vodafone habe o2 eine Initiative zum Mobile Payment gestartet, um dies voranzubringen.
Durch den Wettbewerb habe sich Mobilfunk «im Sinne des Verbraucher entwickelt», sagt Haas, der seit 1998 dabei ist. Um zehn bis zwölf Prozent seien die Preise jedes Jahr gesunken, was jeder den Zahlen des statistischen Bundesamtes entnehmen könne. Die Vielzahl der Netzbetreiber habe die Preise nach unten gedrückt. Begonnen habe man mit 29 Pfennig (15 Cent) pro Minute in bestimmten Stadtgebieten, inzwischen liege man bei neun Cent für ganz Deutschland und biete Flatrates für die Telefon- und Datennutzung, sagt Haas. Neu hat o2 jetzt eine Handy-Flatrate für 15 Euro mit nur sechs Monaten Mindestlaufzeit eingeführt. So kann der Kunde ohne lange Bindungszeit testen, ob ihm eine Flatrate wirklich etwas bringt.
«Das ist einer der wettbewerbsintensivsten Märkte», sagt Haas. Gerade hier habe aber in den letzten fünf Jahren der staatliche Eingriff zugenommen. Was er vermisse, sei ein Gesamtkonzept, eine Gesamtsicht der Politik auf den Markt. Es werde immer an einzelnen Punkten eingegriffen, wie zum Beispiel bei den Roaming-Preisen, wenn der Kunde ausländische Netze nutzt. Was fehle, sei ein Konzept für vernünftige Rahmenbedingungen für den Wettbewerb. Er wünsche sich «weniger Staat, denn der Wettbewerb stimmt».
Dass der Kunde Eingriffe wie zum Beispiel der EU-Kommission bei den internationalen Roaming-Gebühren begrüße, könne er nachvollziehen, sagt Haas. Aber er gebe auch zu bedenken, dass der Mobilfunkmarkt wohl der einzige sei, in dem die Preise seit Jahren kontinuierlich gesunken seien. Überall sonst habe es Preissteigerungen gegeben, sagt Haas und fügt hinzu: «Der Wettbewerb kann es richten.»
