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09. Oktober 2008
Buchmesse im Bann des eBooks


Frankfurt - Zum zweiten Mal steht die Frankfurter Buchmesse im Bann des eBooks: Vor acht Jahren haben heute vergessene Hersteller wie Gemstar die Verlagsbranche aufgemischt. Die ersten eBook-Lesegeräte waren aber zu klobig, und der Umgang mit dem elektronischen Lesestoff war nicht flexibel genug. Jetzt wird ein zweiter Anlauf unternommen: Alle reden von einem neuen eBook-Gerät, das es in Deutschland noch gar nicht zu kaufen gibt, dem von Amazon vertriebenen «Kindle».

«Wir haben bislang keine Ankündigung», sagt Amazon-Sprecherin Christine Höger in München. Das knapp 300 Gramm schwere Gerät mit einem 6-Zoll-Display gibt es bislang nur in den USA, wo die erste Auflage im November vergangenen Jahres in wenigen Stunden ausverkauft war. Es scheint aber nur eine Frage der Zeit, bis das Kindle den Sprung über den großen Teich schafft.

Nach dem Kauf eines Kindle - der Preis liegt in den USA bei 359 Dollar (260 Euro) - hat man im eBook-Shop von Amazon die Wahl unter mehr als 180.000 Titel. Dabei kostet ein solches eBook mitunter weniger als halb soviel wie das gedruckte Buch, wobei es in den USA keine Preisbindung für Bücher gibt. Ein Computer als Ladestation braucht das Kindle nicht - der Lesestoff landet über eine drahtlose Internet-Verbindung auf dem Gerät.

Bei den Amazon-Titeln im «dualen Format» entfallen nach Angaben Högers bereits zwölf Prozent des Gesamtverkaufs auf die Kindle-eBooks. «Und Kindle-Nutzer kaufen weiterhin auch gedruckte Bücher», versichert die Amazon-Sprecherin.


Elektronische Tinte

Wie das Kindle setzen auch die eBook-Reader von Sony «elektronische Tinte» ein. Der dunkelgraue Text wird damit auf hellgrauem Hintergrund dargestellt, eine besondere Hintergrundbeleuchtung entfällt. In New York hat Sony soeben sein drittes eBook-Lesegerät vorgestellt, das mit einem berührungsempfindlichen Bildschirm bedient wird, rund 400 Dollar (290 Euro) kostet und die Modellbezeichnung PRS-700 trägt. In Deutschland gibt es noch keinen eBook-Reader von Sony - auf der Buchmesse ist aber eine Ankündigung zur Markteinführung zu erwarten. Das Sony-Gerät ist auf den PC angewiesen, ist dafür aber offen für die eBook-Shops verschiedener Anbieter.

In den Verlagen wird eifrig um die richtige eBook-Strategie gerungen. Es geht um Fragen wie Dateiformate und Unterstützung von Geräten sowie um Preisbindung, Copyright und Kopierschutz.

Beim S. Fischer Verlag sagt der für den Vertrieb zuständige Geschäftsführer Uwe Rosenfeld: «Sofern Transparenz da ist, und die Urheberrechtsfragen geklärt sind, werden wir auch eBooks anbieten.» Dabei lege sein Verlag Wert auf hohe Qualität und eine möglichst große Reichweite, also auf die Unterstützung der verschiedensten Geräte.

Gratwanderung beim Kopierschutz

Die technische Umsetzung eines Kopierschutzes müsse kundenfreundlich gestaltet werden, erklärt Rosenfeld und räumt ein, dass dies sicherlich eine Gratwanderung sei. Beim Preis aber ist zunächst wohl nicht mit einem Nachlass aufgrund der geringeren Produktionskosten zu rechnen. «Wir gehen davon aus, dass die Preisbindung auch für die eBooks gilt», sagt der Verlagsmanager. Er rechnet damit, dass der S. Fischer Verlag im ersten Quartal 2009 in das eBook-Geschäft einsteigen wird. Anders als 2000/2001 gebe es diesmal große Chancen, dass sich das eBook etablieren werde.

Der Fachverlag Pearson Education bietet schon länger eigene Titel als eBook-Download an, hat damit nach Angaben von Geschäftsführer Axel Nehen bislang aber nur einen Umsatzanteil von weniger als fünf Prozent erzielt - obwohl der Verlag mit seinen Computerbüchern besonders die technikaffinen Leser anspricht. «Der überwiegende Teil der potenziellen Klientel für eBooks ist über Download-Angebote nicht zu erreichen», sagt Nehen. Deswegen will das Unternehmen künftig eBook-Ausgaben von nahezu allen Neuerscheinungen seines Verlags Addison-Wesley auch auf CD anbieten und in einer attraktiven Verpackung über den Buchhandel vertreiben.

Pearson will das elektronische Buch zum gleichen Preis anbieten wie das gedruckte Buch. Der Leser solle sich unabhängig vom Preis für diejenige Ausgabe entscheiden, die für seine Zwecke besser geeignet sei, erklärt Nehen. Er setzt einerseits auf interessante Lesegeräte und andererseits auf die Vorteile der elektronischen Ausgaben. So weist der Verleger besonders auf den Platz- und Gewichtsvorteil der eBooks hin, der etwa bei Schulbüchern den Kindern orthopädische Probleme ersparen könne.

So unterschiedlich die Wege zum eBook auch gestaltet werden - einig ist sich die Branche darin, dass das gedruckte Buch nicht verschwinden wird. Buchmessen-Direktor Jürgen Boos ist überzeugt: «Niemand wird seine Goethe-Edition für einen Kindle eintauschen.»








 
 



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