Der inhaftierte russische Ölmilliardär Michail Chodorkowski ist nach einem schriftlichen Interview des Magazins «Esquire» für zwölf Tage in Einzelhaft untergebracht worden. Das teilten seine Anwälte am Donnerstag mit. Die Gefängnisleitung habe ihm vorgeworfen, Briefe geschrieben und erhalten und damit gegen die Vorschriften verstoßen zu haben, erklärten die Verteidiger auf Chodorkowskis Website.
Die Anwälte vertraten dagegen die Auffassung, dass Chodorkowski mit dem Schriftverkehr nicht gegen Vorschriften verstoßen habe. Ihr Mandant sei erneut Opfer rechtswidriger Praktiken der Mitarbeiter des Gefängnisses im sibirischen Tschita geworden.
Das Interview erschien in der Oktoberausgabe der russischen Ausgabe des «Esquires». Chodorkowski äußert sich darin in einem Briefwechsel mit dem russischen Schriftsteller Boris Akunin über seinen Prozess sowie über die Politik und den Zustand der russischen Gesellschaft unter dem früheren Präsidenten Wladimir Putin und dessen Nachfolger Dmitri Medwedew.
Chodorkowski wurde 2003 wegen Steuerhinterziehung und Betrugs zu neun und in einem Revisionsverfahren 2005 zu acht Jahren Haft verurteilt. Sein Ölkonzern Jukos wurde nach der Verurteilung zerschlagen und praktisch unter staatliche Kontrolle gestellt. Erst im August hatte ein Gericht den Antrag der Verteidigung abgewiesen, dem 45-jährigen Chodorkowski wegen guter Führung den Rest seiner Strafe zu erlassen.
Chodorkowskis Verurteilung vor fünf Jahren gilt als Exempel, das der Kreml gegenüber den neuen Reichen Russlands mit eigenen politischen Ambitionen Ambitionen statuierte.
