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09. August 2008

Greenpeace: Computer und Handys vergiften die Armen



Dakar - Auf Schrottplätzen in armen Ländern landen nach Angaben von Greenpeace häufig Elektrogeräte mit giftigen Chemikalien aus Industrienationen, obwohl der Export von solchem Müll verboten ist. Der Handel mit Elektronikschrott verlagere sich zunehmend von Asien nach Westafrika, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Umweltschutzorganisation. Vor allem in Ghana würden alte Fernsehgeräte und Computer, die giftige Stoffe enthielten, auf Müllhalden von Kindern auseinandergebaut.

Greenpeace rief die Hersteller von Elektrogeräten auf, bei ihren Produkten auf die Verwendung giftiger Chemikalien zu verzichten. «Solange Elektro-Firmen giftige Substanzen nicht aus der Produktion verbannen und nicht bereit sind, Verantwortung von der Produktion bis zum Recycling zu übernehmen, wird es diese Giftdeponien weiterhin geben», sagte Martin Hojsik, Chemieexperte von Greenpeace International.

Ein Großteil der nach Ghana entsorgten Computer, Bildschirme und Fernsehgeräte stammt Greenpeace zufolge trotz eines Exportverbots für gefährliche Materialien aus der Europäischen Union und wird als theoretisch wiederverwertbare Secondhand-Geräte in das afrikanische Land gebracht. Nach Angaben eines EU-Gewährsmanns sind allerdings bis zu 75 Prozent dieser Lieferungen nach Afrika nicht mehr brauchbar. Elektronikschrott werde häufig unter dem Vorwand in Entwicklungsländer verfrachtet, dass damit eine «digitale Spaltung» überwunden werden solle, erklärte Greenpeace.

Mitarbeiter der Umweltschutzorganisation besuchten in Ghana zwei Schrottplätze in der Hauptstadt Accra und in Korforidua und entnahmen Erdproben. In einigen Proben sei ein Bleigehalt 100mal höher als in nicht kontaminierter Erde festgestellt worden, erklärte Greenpeace. In den meisten Proben seien außerdem Phthalate entdeckt worden, die im Verdacht stehen, wie Hormone zu wirken. In einer Probe fanden sich auch chlorierte Dioxine, die als krebserregend gelten. «Viele der gefundenen Chemikalien sind hochgiftig. Einige können die Entwicklung des Fortpflanzungssystems bei Kindern beeinflussen, während andere die Entwicklung des Gehirns oder des Nervensystems beeinträchtigen können», erklärt Dr. Kevin Brigden von Greenpeace International.

«Das ist Müllentsorgung und nichts anderes»

Dem Bericht zufolge stammt ein Großteils des Elektronikmülls aus Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und Korea und wird von dort als Secondhand-Gut verschifft. «Der Großteil der Computer, die alten, überholten Secondhand-Computer sind defekt. Warum gibt man uns Computer, die nicht funktionieren? Das ist Müllentsorgung und nichts anderes», zitierte Greenpeace Mike Anane, einen Umweltaktivisten in Ghana.

Die Computer, Fernseher und Handys werden von Arbeitern, häufig Kindern, auf den Mülldeponien auseinandergenommen. Sie sind auf der Suche nach Wertstoffen wie Aluminium und Kupfer - fünf Kilogramm können sie Greenpeace zufolge für etwa zwei US-Dollar verkaufen. Die Umweltschutzorganisation fordert seit Jahren, dass die Elektronikbranche Altgeräte kostenlos zurücknimmt und Recyclingprogramme entwickelt.






 

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