Kindheitstrauma als Ursache des chronischen Müdigkeitssyndroms
Chicago - Traumatische Erfahrungen in der Kindheit können im Erwachsenenalter zum chronischen Müdigkeitssyndrom (CFS) führen. Eine amerikanische Studie zeigt, dass viele CFS-Patienten in der Kindheit missbraucht, misshandelt oder vernachlässigt wurden. Eine solche Traumatisierung zieht offenbar Veränderungen des Hormonhaushalts nach sich, die die Betroffenen später anfälliger für die Erkrankung machen.
Für die Entstehung des Syndroms spielen Geschlecht, Erbfaktoren, bestimmte Charakterzüge und Lebensumstände eine Rolle. Die genauen Zusammenhänge liegen allerdings bislang im Dunkeln. Dass psychische Belastung zusammen mit anderen Faktoren das Syndrom auslösen kann, gilt als gesichert. «Aber nicht jeder Mensch entwickelt unter Stress das chronische Müdigkeitssyndrom», schreiben die Mediziner der Emory Universität in Atlanta in der Zeitschrift «Archives of General Psychiatry». «Deshalb ist es entscheidend zu verstehen, welche Ursachen die individuell unterschiedliche krankhafte Anfälligkeit für Stress bestimmen.»
Die Forscher verglichen die Biografien von 113 CFS-Patienten mit denen von 124 gesunden Menschen. Dabei ging ein früh im Leben erlittenes Trauma mit einem sechsfach erhöhten Risiko für die Erkrankung einher. Gefährdet waren vor allem jene Menschen, die in der Kindheit sexuell oder emotional missbraucht wurden oder die emotional vernachlässigt wurden.
Zudem hatten die CFS-Patienten auch häufiger Depressionen und Angststörungen. Allerdings fanden die Wissenschaftler auffällige Unterschiede zwischen verschiedenen CFS-Patienten. Nur diejenigen, die ein Kindheitstrauma erlitten hatten, wiesen im Speichel besonders geringe Konzentrationen des Stresshormons Kortisol auf. Bestimmte Erfahrungen während der frühen Entwicklung des Gehirns beeinflussen demnach, wie der Körper im späteren Leben auf Stress reagiert.