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09. Januar 2008
Kritik an Seminar zur "Heilung" von Homosexualität
Berlin - Der Grünen-Politiker Volker Beck hat Familienministerin Ursula von der Leyen aufgefordert, die Schirmherrschaft für den christlichen Kongress Christival 2008 in Bremen zurückzugeben. «Frau von der Leyen kann nicht als Bundesfamilienministerin Schirmherrin eines Kongresses sein, bei dem gefährliche Psychokurse und minderheitenfeindliche Angebote gemacht werden», erklärte Beck am Dienstag in Berlin. Auf dem Kongress werde ein Seminar zur «Heilung» von Homosexualität angeboten.
In der Beschreibung des Seminars «Homosexualität verstehen - Chance zur Veränderung» heißt es: «Viele Menschen leiden unter ihren homosexuellen Neigungen. Im Seminar geht es um Ursachen und konstruktive Wege heraus aus homosexuellen Neigungen.» Beck sagte, von der Leyen (CDU) müsse entweder die Absage dieses «Homosexuellenheilungsseminares» durchsetzen oder ihre Schirmherrschaft zurückgeben. Die Grünen würden dem mit einer parlamentarischen Anfrage nachgehen.
«Eine enorme Vielfalt»
Das Christival findet 2008 vom 30. April bis 4. Mai zum fünften Mal statt und richtet sich in erster Linie an junge Christen. Träger sind neben der evangelischen Kirche unter anderem verschiedene CVJM-Organisationen. Insgesamt werden 280 Veranstaltungen, Workshops und Seminare angeboten, unter anderem zu Themen, wie mit Mobbing in der Schule umgegangen wird oder wie Jugendfreizeiten organisiert werden. Es versteht sich auch als Vorläufer für den evangelischen Kirchentag, der 2009 in Bremen stattfindet.
Der Sprecher des Familienministeriums, Jens Flosdorff, sagte der AP: «Wir werden den Hinweisen nachgehen und um Aufklärung bitten.» Es solle geprüft werden, was Inhalt dieses Seminars sei und wer der Veranstalter sei.
Laut Programm wird das Seminar vom so genannten Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft (DIJG) veranstaltet. Anerkennung als Studien- und Forschungseinrichtung findet das DIJG heute im Wesentlichen bei religiös motivierten Gruppen. Seine Standpunkte zu Fragen der sexuellen Orientierung sind sehr umstritten. Das DIJG lehnt beispielsweise die Unveränderbarkeit von sexueller Orientierung und praktizierte Homosexualität ab.
Der Geschäftsführer des Kongresses, Heiko Linke, sagte der AP, der Kongress zeichne sich durch «eine enorme Vielfalt» aus. Er räumte ein, der Beschreibungstext für das betreffende Seminar könne durch redaktionelle Kürzungen missverständlich geworden sein. Allerdings sei das Seminar für niemand eine Pflichtveranstaltung. Interessierte könnten sich anmelden. Es gehe nicht darum, jemand zu bekehren. Vielmehr seien die Seminare ergebnisoffen.
Dem gemeinnützigen Verein Christival gehören insgesamt über 100 Mitglieder aus evangelischen Kirchen, christlichen Werken und Verbänden an.

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