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08. Oktober 2008

Pleitewelle bei Autohändlern in den USA



New York - Hunderttausende Autos stehen in den USA in den Verkaufsräumen der Händler und niemand will sie haben. Die Autohändler gehören zu den ersten Opfern der Kreditkrise. Der Tumult auf den Finanzmärkten kreist sie von zwei Seiten ein: Ihre Finanzierungskosten steigen deutlich und drücken damit die ohnehin schmale Gewinnmarge. Hinzu kommt, dass die Amerikaner in den wirtschaftlich unsicheren Zeiten den Kauf eines Neuwagens verschieben oder ausfallen lassen, zumal wenn eine Kreditfinanzierung geplant war.

Der Branche droht eine Pleitewelle, erklärt der Chefvolkswirt der Nationalen Autohändlervereinigung (NADA), Paul Taylor. Im vergangenen Jahr mussten 430 der rund 20.000 Händler der NADA schließen, für 2008 rechnet Taylor mit mindestens 500 bis 600 Pleiten. 2006 waren es nur 295. Es ist ein «Desaster», wie Händler Ray Ciccolo sagt, der im Raum Boston sechs Autogeschäfte betreibt. «Ich bin seit 46 Jahren in diesem Geschäft. Aber es ist das erste Mal, das ich so etwas erlebe.»

Die Misere der Autohändler nahm ihren Anfang beim Rekordanstieg des Ölpreises. Als die Gallone (3,785 Liter) Benzin an der Zapfsäule erstmals die psychologische Marke von vier Dollar übersprang, waren die zumeist spritintensiven US-Autos kaum mehr gefragt. Doch inzwischen sind fast alle Marken betroffen. Die Zahl der verkauften Neuwagen im September fiel erstmals seit 1993 unter die Marke von einer Million. Die NADA rechnet daher in diesem Jahr nur noch mit 14,2 Millionen verkauften Autos. 2007 setzten die Händler 16,1 Millionen Fahrzeuge ab.

Rabatte haben Gewinnmargen der Händler aufgefressen

Inzwischen könnten die Finanzierungskosten vielen Autohändlern zum Verhängnis werden. Sie müssen in USA Kredite aufnehmen, um ihre Geschäfte mit den Vorführwagen zu füllen. Dabei verlassen sie sich entweder auf Geschäftsbanken oder auf die Finanzsparten der Autohändler. Die Banken von General Motors und Ford beispielsweise haben ihre Zinssätze für die Händler zuletzt um 50 Basispunkte angehoben. «Das spiegelt die heutigen Marktrealitäten und gestiegenen Kreditkosten wider», sagt Fords Marketing-Vizepräsident Jim Farley.

Dem Händler Ciccolo aus Boston, der seine Kredite über unabhängige Geschäftsbanken abwickelt, ergeht es nicht besser. Sie richten sich nach dem Londoner Leitsatz im Interbankenhandel (LIBOR), der sich bis Freitag im Vergleich zum Vormonat von 1,52 auf auf 4,33 Prozent fast verdreifachte.

Die großen US-Autohersteller aus Detroit haben selbst mit Schulden und stagnierenden Absätzen zu kämpfen und können ihren Händlern wohl nicht helfen. Die Rabatte, die zuletzt für den Verkauf vieler Spritfresser gewährt wurden, haben viele Autoverkäufer indes an den Rand des Zusammenbruchs geführt. Der größte Chevrolet-Händler der USA, Bill Heard, musste Ende September Insolvenz anmelden. Hohe Benzinpreise, sinkende Nachfrage nach Geländewagen (SUVs) und die sich verteuernden Kredite gaben dem Unternehmen mit seinen 14 Filialen den Rest.

Der Benzinpreis ist zuletzt wieder gesunken, aber Amerikaner, die um ihr Erspartes oder den Erhalt ihres beliehenen Hauses fürchten, werden zunächst wohl ihr altes Auto weiter fahren. Für die Händler und ihre vielen hunderttausend auf Kredit angeschafften Autos gibt es in dem sich ankündigenden Wirtschaftsabschwung kaum Hoffnungsschimmer.






 

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