Er gilt als Querdenker, einer, der auch vor radikalen Bildern nicht zurückscheut. Jürgen Gosch zählt zu den wichtigsten und einflussreichsten deutschen Theaterregisseuren. Erst Ende August wurde seine Inszenierung von Tschechows «Onkel Wanja» am Deutschen Theater Berlin zur besten Inszenierung des Jahres 2008 gekürt. Nun ist er schwer erkrankt, musste die für Oktober geplante große Inszenierung von «Faust I und II» zur Saisoneröffnung des Wiener Burgtheaters absagen. Am Dienstag wird er 65 Jahre alt.
Wie schwer die Krankheit ist, ist unbekannt. Sicher ist nur: Das Deutsche Theater plant weiter mit Gosch. Im Dezember soll seine Inszenierung von «Die Möwe» wie geplant auf die Bühne kommen. Am Samstag trat er zudem bei einer Veranstaltung der Akademie der Künste in Berlin auf.
1978 sorgte der in Cottbus geborene Gosch erstmals für großes Aufsehen. Seine systemkritische Auseinandersetzung mit Büchners «Leonce und Lena» an der Ostberliner Volksbühne sorgte für Aufruhr, «die Aufführung machte Spektakel», wie Gosch selbst sagte. Er erhielt keine weiteren Arbeitsmöglichkeiten in der DDR und siedelte deswegen im selben Jahr nach Westdeutschland über.
Gosch arbeitete erfolgreich an verschiedenen Bühnen, unter anderem in Hannover, Hamburg und Bremen. Regelmäßig wird er seit 1982 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Aber es gab auch Niederlagen. 1989 scheiterte er als Nachfolger von Peter Stein und Luc Bondy an der Berliner Schaubühne und verließ das Theater nach nur einer Saison in der Leitung.
Nach der Wende band er sich 1993 an das Deutsche Theater, arbeitete später als freier Regisseur und seit 2005 wieder als fester Regisseur am Deutschen Theater. Gefeiert wurden sowohl seine Inszenierungen von zeitgenössischen Stücken, als auch die von Klassikern. Für seine Inszenierung von Maxim Gorkis «Sommergäste» wählte ihn das Magazin «Theater Heute» zum Regisseur des Jahres 2004.
Immer für einen Skandal gut
Seine Inszenierungen zeichnen sich darin aus, unterhaltsam, ohne oberflächlich zu sein. Hin und wieder sorgt er gerne für Skandale: Sein «Macbeth» trieb wegen der blutigen und brutalen Bilder bei der Düsseldorfer Premiere im Jahr 2005 das Publikum scharenweise aus dem Theater. Die Kritik jedoch feierte die Inszenierung als «virtuos und komisch in seiner Schroffheit». Das entspricht seinem Motto: «Man guckt immer, wie weit man gehen kann. Und man muss immer gucken, ob man weit genug gegangen ist», sagte er.
Gosch begann als Schauspieler. Von 1962 bis 1964 studierte er an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst «Ernst Busch» in Ost-Berlin. Sein erstes Engagement als Schauspieler erhielt er im mecklenburgischen Parchim. Ende der 60er Jahre debütierte er dann als Regisseur.
