Die Allianz ist im zweiten Quartal tiefer in den Strudel der Finanzmarktkrise geraten. Der Versicherungskonzern schraubte seine Gewinnziele für die kommenden Jahre nach unten. Die zunehmend schwierigeren Märkte träfen auch die Allianz, sagte Konzernchef Michael Diekmann. Erneut drückten vor allem tiefrote Zahlen der Tochter Dresdner Bank im zweiten Vierteljahr den Gewinn des Konzerns. Der Überschuss fiel im Vergleich zum Vorjahr um 28 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro. Der Konzernumsatz ging um 9,5 Prozent auf 22 Milliarden Euro zurück.
«Wir erwarten auch für 2009 ein Anhalten dieser schwierigen Marktbedingungen, deshalb können wir das 2006 gesetzte Ziel einer durchschnittlichen operativen Ergebnissteigerung von 10 Prozent bis 2009 nicht aufrecht erhalten», erklärte Diekmann. Eine verlässliche Ergebnisprognose sei insbesondere im Bankgeschäft derzeit nicht möglich. Zur Zukunft der Dresdner Bank wollte Diekmann sich nicht äußern.
Bei seiner Prognose nimmt der Konzern das Ergebnis des Bankgeschäfts heraus und setzt auf die Ertragskraft des Versicherungs- und Vermögensverwaltungsgeschäfts. Hier will die Allianz ein laufendes operatives Ergebnis von mindestens 9 Milliarden Euro im laufenden und kommenden Geschäftsjahr erwirtschaften.
Bisher beliefen sich die Belastungen durch die Finanzkrise für die Allianz auf 3 Milliarden Euro, sagte Vorstandsmitglied Helmut Perlet. Zur Größenordnung möglicher weiterer Abschreibung erklärte Perlet, sollten sich die Kapitalmärkte um 10 Prozent verschlechtern, müsste der Konzern im kommenden Quartal zusätzlich 800 Millionen Euro abschreiben.
Dresdner Bank häuft weitere Verluste an
Besonders stark von den schwachen Kapitalmärkten getroffen wurde die Tochter Dresdner Bank. Die operativen Erträge gingen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund eine Milliarde Euro auf 635 Millionen Euro zurück. Hauptursache sei der durch die Finanzkrise verursachte Handelsverlust der Investmentbank in Höhe von 627 Millionen Euro, hieß es. Darin enthalten seien Abschreibungen in Höhe von rund 286 Millionen Euro auf ABS-Wertpapiere.
Die Tochter häufte im zweiten Quartal unterm Strich einen Verlust von 545 Millionen Euro an. Der operative Verlust betrug 566 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal hatte die Bank hier noch ein Plus von 427 Millionen Euro erwirtschaftet.
Diekmann wollte sich zur Spekulationen über einen Verkauf der Dresdner Bank nicht äußern. Man werde bei der Konsolidierung nach einer Lösung suchen, die für die Mitarbeiter und die Kunden gut ist, erklärte er lediglich. «Das ist nicht einfach.» Mit der Trennung des Investmentbankings vom Privat- und Firmenkundengeschäft komme man gut voran. Dieser Schritt könnte eine Zerschlagung und einen Verkauf erleichtern. Seit längerem wird über einen Verkauf der Dresdner Bank spekuliert. Zuletzt wurden Commerzbank und die spanische Santander-Bank als mögliche Partner genannt.
Finanzkrise belastet auch Kerngeschäft
Die Finanzmarktkrise machte nicht nur der Dresdner Bank zu schaffen, sondern belastete auch das Versicherungs- und Vermögensverwaltungs-Geschäft der Allianz. Im Lebensversicherungsgeschäft litt das Umsatzwachstum bei fondsgebunden Produkten unter den schlechten Aktienmärkten. Das operative Ergebnis sank um 7,3 Prozent auf 703 Millionen Euro.
Bei der Schaden- und Unfallversicherung als wichtigstem Geschäftsbereich des Konzerns ging das operative Ergebnis nach 1,9 Milliarden Euro im Vorjahresquartal auf 1,7 Milliarden Euro zurück.
