Mainz - Die Bundestierärztekammer hat ein Verbot von Schächtungen in Deutschland gefordert. «Es liegt der klare Fall von Tierquälerei vor und damit muss das Tierschutzgesetz geändert werden. Das ist unsere Position.», sagte Verbandspräsident Ernst Breitling dem ARD-Magazin «Report Mainz» laut einer Vorabmeldung vom Montag.
Bei Schächtungen werden Tieren ohne Betäubung die Kehlen durchgeschnitten. Nach Schätzungen der Bundestierärztekammer werden bis zu 500.000 Schafe pro Jahr auf diese Weise in Deutschland geschlachtet. Dieses Schlachten ist religiöser Brauch im Islam und im Judentum, wird aber nur von einem Teil der Muslime praktiziert.
Hintergrund der Forderung der Bundestierärztekammer ist ein von ihr in Auftrag gegebenes Gutachten. Nach Darstellung der Veterinäre ist wissenschaftlich erwiesen, dass es selbst unter optimalen Bedingungen bei dem überwiegenden Teil betäubungslos geschlachteter Tiere zu erheblichen Leiden und Schmerzen kommt.
Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) lehnte ein Schächtverbot ab. «Es gibt, an dieser Tatsache kann kein Politiker vorbei, die Religionsfreiheit, die wir nicht völlig, wenn es Religionsgemeinschaften praktizieren wollen, nicht völlig ausblenden können» sagte er dem Bericht zufolge.
Nach jahrelangem Verbot dürfen muslimische Schlachter in Deutschland Tieren seit dem Jahr 2002 ohne Betäubung die Kehle durchschneiden. Das Schächten oder Ausbluten ist erlaubt, wenn die Fleischer zu einer Religionsgemeinschaft gehören, die dies zwingend vorschreibt, wie das Bundesverfassungsgericht damals entschied. Der Erste Senat gab damit einem türkischen Metzger recht, dem die Ausnahmegenehmigung zum Schächten mit der Begründung entzogen wurde, dass der Islam insgesamt diese Schlachtmethode nicht vorschreibe.