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08. Juli 2008
Frauen dürfen in Kirche von England Bischöfe werden
London - Frauen dürfen in der Kirche von England künftig ohne Einschränkungen Bischöfe werden. Mit diesem Beschluss der Generalsynode in York ging die anglikanische Kirche am Montagabend auf Konfliktkurs zu den Traditionalisten, die sich zunehmend entfremdet fühlen und heftig protestieren. Auch die jüngst verbesserten Beziehungen der anglikanischen Kirche zum Vatikan könnten darunter leiden.
Als geistliches Oberhaupt der anglikanischen Christen sagte der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, die Befugnisse einer Bischöfin dürften nicht enger gefasst werden als bei einem männlichen Kirchenführer. Genau dies hatten die Traditionalisten jedoch gefordert. Rowans sagte: «Ich bin zutiefst unglücklich mit jedem System oder jeder Lösung, die darauf hinausläuft, Frauen, die nominiert werden könnten, strukturell zu demütigen.»
Die Priesterweihe von Frauen wird in der anglikanischen Kirche seit 1994 praktiziert. Mit der ersten anglikanischen Bischöfin wird nach Angaben von Kirchenführern jedoch frühestens im Jahr 2014 gerechnet. Der Beschluss der Synode gilt als verbindlich, ist aber noch nicht rechtskräftig. Die Umsetzung in Kirchenrecht soll erst im nächsten Jahr erfolgen.
Außerhalb Englands haben bereits 15 weitere anglikanische Kirchen die Bischofsordination von Frauen zugelassen. Die Episkopalisten in den USA werden von einer Frau geführt, Katharine Jefferts Schori. Die wohlhabende US-Kirche hat nur 2,2 Millionen Mitglieder, trägt aber etwa ein Drittel der Kosten der anglikanischen Glaubensgemeinschaft unter der Führung der Kirche von England mit ihren rund 77 Millionen Anhängern.
«Ich schäme mich»
Die Traditionalisten äußerten sich enttäuscht und verbittert über die Beschlüsse der Generalsynode. Ein Bischof brach in Tränen aus, als er darüber klagte, wie wenig die Kirche bereit sei, der Minderheitenfraktion entgegenzukommen. Hunderte von Traditionalisten haben damit gedroht, aus der Kirche auszutreten. «Ich schäme mich», sagte der Bischof von Dover, Stephen Venner.
Die Traditionalisten argumentieren, dass die zwölf Apostel Jesu auch ausschließlich Männer waren. Bischöfe stehen dem Glauben nach in der Nachfolge der Apostel, was ihre herausragende Stellung begründet. Rowans bemühte sich zuletzt um eine Annäherung und Aussöhnung mit der katholischen Kirche in Rom. Die Bischofsweihe für Frauen dürfte den Bemühungen jedoch einen weiteren Rückschlag versetzen.
Neben der Frage der Bischofsweihe von Frauen spielt dabei auch die tolerante Haltung der Kirchenführung gegenüber Homosexuellen eine Rolle. Dieses Thema ist auch innerhalb der Kirche von England sehr umstritten und steht im Mittelpunkt der alle zehn Jahre stattfindenden «Lambeth Conference» aller anglikanischen Bischöfe, die am 16. Juli beginnt. Bei den Episkopalisten wurde 2003 der erste bekennende homosexuelle Bischof geweiht, Gene Robinson aus New Hampshire.

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