Amnesty International hat in Somalia stationierten Soldaten aus Äthiopien Verbrechen gegen Zivilpersonen vorgeworfen. Es gebe Dutzende Berichte über Tötungen und Massenvergewaltigungen, erklärte die Menschenrechtsorganisation am Dienstag. Die Opfer würden nach somalischen Angaben «abgeschlachtet wie Ziegen». Das Informationsministerium in Äthiopien wies den Bericht als unbegründet und unausgewogen zurück.
«Die Menschen in Somalia werden getötet, vergewaltigt, gefoltert», erklärte die stellvertretende AI-Direktorin für Afrika, Michelle Kagari, in Nairobi. Zeugenaussagen deuteten darauf hin, dass in dem Konflikt von allen beteiligten Seiten Kriegsverbrechen und möglicherweise Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen würden, ohne dass jemand dafür verantwortlich gemacht werde.
Dem Bericht zufolge wurden im vergangenen Jahr in der Hauptstadt Mogadischu rund 6.000 Zivilpersonen getötet und mehr als 600.000 in die Flucht getrieben. Einige Opfer seien auf Schulhöfen bestattet worden, weil der Weg zu den Friedhöfen zu unsicher sei.
Die Soldaten aus Äthiopien wurden auf Bitten der somalischen Regierung Ende 2006 im Land stationiert, um beim Kampf gegen islamische Aufständische zu helfen. Die äthiopische Regierung wies bereits im April einen AI-Bericht zurück, in dem ihren Soldaten die Tötung von Zivilpersonen vorgeworfen wurde.
Islamische Kämpfer berichteten am Dienstag von einem weiteren US-Luftangriff in Somalia. Sie hätten in der Nacht Flugzeuge und etwa zehn Explosionen in der Gegend von Odam gehört, wo sich am Montag eine Gruppe Bewaffneter getroffen habe. Verletzt worden sei niemand. Die US-Streitkräfte hatten bei einem Luftangriff in der vergangenen Woche den mutmaßlichen Al-Kaida-Chef in Somalia und 24 weitere Menschen getötet.
