Sterbehilfe in Schweiz öfter bei Menschen ohne tödliche Krankheit
Zürich - Die in der Schweiz nicht strafbare Sterbehilfe nehmen zunehmend Menschen in Anspruch, die nicht an tödlichen Krankheiten leiden. Eine Studie der Universität Zürich zeigt, dass zwischen 2001 und 2004 etwa ein Drittel der Schweizer, die Beihilfe zum Suizid erhielten, keine unheilbare Krankheit hatten. Zudem lassen sich fast doppelt so viele Frauen wie Männer in den Tod begleiten.
Die Forscher untersuchten 421 Fälle von Suizidbeihilfe, die zwischen 2001 und 2004 vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich geprüft wurden - darunter viele Menschen, die dafür eigens aus dem Ausland angereist waren. Bei der Organisation Exit, die fast ausschließlich Schweizer beim Suizid begleitete, litten zwei Drittel der Menschen an tödlichen Krankheiten wie Krebs, multipler Sklerose und amyotropher Lateralsklerose (ALS). Bei der Organisation Dignitas, die zu mehr als 90 Prozent Menschen aus dem Ausland betreute, lag der Anteil bei 79 Prozent.
Die übrigen Patienten litten nicht an einer tödlichen Krankheit. «Meist waren das alte Menschen mit mehreren diagnostizierten Krankheiten, zum Beispiel rheumatischen Beschwerden oder Schmerzsyndromen», sagt die Soziologin Susanne Fischer. Bei Exit hatte der Anteil dieser Sterbewilligen von 1990 bis 2000 nur 22 Prozent ausgemacht. «Lebensmüdigkeit und ein allgemein schlechter Gesundheitszustand haben bei älteren Menschen aus der Schweiz an Bedeutung gewonnen als Motiv dafür, Suizidbeihilfe zu suchen», sagt Fischer. Wahrscheinlich habe Exit aufgrund der großen Nachfrage seine Praxis gelockert.
Bei beiden Sterbehilfeorganisationen nahmen mit rund 65 Prozent deutlich mehr Frauen als Männer die Suizidbeihilfe in Anspruch. Die Forscher vermuten, dass dazu die höhere Lebenserwartung von Frauen beiträgt. Zudem zeigen Suizidstatistiken, dass sich Männer häufiger ohne fremde Hilfe umbringen.