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07. Oktober 2008
(Update) - Datenschützer stellt Telekom schlechtes Zeugnis aus


Frankfurt - Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hat der Telekom ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Offenbar hätten in dem Unternehmen so viele Mitarbeiter Zugriff auf personenbezogene Daten, dass es selbst keinen Überblick habe, kritisierte er im Berliner «Tagesspiegel». Im Skandal um den Diebstahl von 17 Millionen Datensätzen wurden unterdessen neue Vorwürfe sowohl gegen die Telekom als auch gegen die ermittelnde Staatsanwaltschaft erhoben.

Die «Frankfurter Rundschau» berichtete am Dienstag, das Bundesinnenministerium und der Aufsichtsrat des Konzerns seien erst vor wenigen Tagen über den Datenklau aus dem Jahr 2006 unterrichtet worden. Der Mainzer Erotikunternehmer Tobias Huch, von dem die Telekom seinerzeit Kenntnis von dem Diebstahl erhielt, sitzt nach eigenen Angaben immer noch auf dem Datenmaterial.

«Es hieß, dass meine Informationen an die Polizei weitergegeben werden. Aber dann ist nichts mehr passiert», sagte der 27-Jährige der «Badischen Zeitung». Die Telekom habe ihn damals aufgefordert, die Daten auf seinem Computer zu sichern, sich aber nie um die Rückgewinnung des brisanten Materials bemüht, und auch die Polizei habe sich nicht bei ihm gemeldet.

Telekom-Sprecher Mark Nierwetberg sagte der Nachrichtenagentur AP, der Konzern habe unmittelbar nach Huchs Informationen Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet. Deren weiteres Vorgehen und auch das der Polizei habe das Unternehmen natürlich nicht beeinflussen können. Wie aus anderer Quelle verlautete, herrscht innerhalb der Telekom Unmut über das Vorgehen der Justizbehörden. Dass die Staatsanwaltschaft Köln die Ermittlungen eingestellt und auch die in Bonn den Fall nicht noch nachdrücklicher verfolgt habe, hielten viele für unverständlich.

Informant Huch sei nur deshalb zur Sicherung der Daten aufgefordert worden, damit diese den Justizbehörden als Beweismittel zur Verfügung stünden, versicherte Nierwetberg. Er verwies erneut darauf, dass Justiz und Polizei nach der Strafanzeige der Telekom bei Hausdurchsuchungen Datensätze beschlagnahmt hatten. Der Konzern sei davon ausgegangen, dass diese damit vollständig vom Schwarzmarkt verschwunden seien und keine Missbrauchsgefahr mehr bestehe.

Nachdem der «Spiegel» am vergangenen Mittwoch auf noch immer zirkulierende Daten hingewiesen habe, sei die Telekom tags darauf beim Bundesinnenministerium vorstellig geworden. Der Unternehmenssprecher reagierte damit auf die Meldung der «Frankfurter Rundschau», beim Krisentreffen im Bundesinnenministerium zum Thema Datensicherheit im Juni habe Telekom-Chef René Obermann nichts vom Verlust der 17 Millionen Kundendaten gesagt. «Wir hatten bis vergangenen Donnerstag keine Kenntnis von den Vorgängen», wird eine Ministeriumssprecherin zitiert.

Kritik aus dem Aufsichtsrat

Auch ihre Aufsichtsräte habe die Telekom bis vor wenigen Tagen nicht über den Datendiebstahl informiert, heißt es weiter in dem Zeitungsbericht. «Uns wird vieles erst mitgeteilt, wenn Medien berichten», sagte T-Mobile-Aufsichtsrat Ado Wilhelm. «Auch die Öffentlichkeit hätte informiert werden müssen», fügte der Vertreter der Gewerkschaft ver.di in dem Aufsichtsgremium hinzu.

Dass die Telekom Einzelverbindungsnachweise aller Gespräche von Aufsichtsräten in Ordnern gesammelt habe, sei nur darauf zurückzuführen, dass das Unternehmen die Kosten für ihre Telefonate erstatte und dafür die Belege benötige, sagte der Sprecher. Wie es hieß, sollen die Aufsichtsräte im Sommer darüber unterrichtet und ihnen die Änderung der Praxis zugesagt worden sein.

Der stellvertretende Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Bernd Carstensen, forderte derweil den Rücktritt von Telekom-Chef Obermann wegen des Datenskandals.








 
 



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