Bei einem mit Spannung erwarteten Manöver in rund 400 Millionen Kilometern Höhe hat die europäische Raumsonde «Rosetta» spektakuläre Aufnahmen von einem Asteroiden gemacht und zur Erde gefunkt. Auf den am Samstag von der europäischen Raumfahrtbehörde ESA präsentierten Bildern aus den Tiefen des Alls sind zahlreiche Krater auf der Oberfläche des Gesteinsbrocken mit dem Namen Steins zu erkennen, was auf ein immenses Alter des Asteroiden hindeute. Einer der Krater ist laut ESA zwei Kilometer breit.
Laut ESA ist der nach einem lettischen Wissenschaftler benannte Steins mit seinem Durchmesser von insgesamt fünf Kilometern etwas größer als erwartet, zudem erscheine er ungewöhnlich hell. «Steins sieht aus wie ein Diamant», sagte Uwe Keller vom Lindauer Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung.
Bis Samstag zählten die Wissenschaftler laut ESA zudem 23 Krater unterschiedlichen Alters, die vom Aufprall zahlreicher Meteoriden stammen könnten. Genaue Analysen der gesammelten Daten sollen nun in den nächsten Wochen die Ursache für die helle Farbe liefern sowie die Beschaffenheit der Oberfläche ergründen, um damit die Entstehungsgeschichte des vor allem aus Basalt und Silikaten bestehenden Asteroiden zu erklären.
Die ESA erhofft sich von dem Vorbeiflug aber auch Rückschlüsse auf die Frühphase des Sonnensystems generell. «Tote Steine können viel erzählen», sagte ESA-Projektmanager Gerhard Schwehm. Der auch Asteroid 2867 genannte Gesteinsbrocken werde am Ende einer der am besten untersuchten sein.
Vorbeiflug in 800 Kilometern Entfernung
Eine von zwei Kameras an Bord der Sonde funktionierte bei dem Vorbeiflug in 800 Kilometern Entfernung am Freitagabend allerdings nicht optimal. Die für detailliertere Aufnahmen zuständige Kamera schaltete sich aus einem zunächst nicht bekanntem Grund offenbar zwischendurch selbst ab. Damit verpasste sie den Angaben zufolge wohl genau die Phase der maximalen Annäherung an den Asteroiden. Erst ein paar Stunden später schaltete sie sich wieder an. Auch bei der Übermittlung der Daten gab es Verzögerungen.
Dennoch rechnen die Wissenschaftler damit, dass auch unter dem von der zwischendurch ausgeschalteten Kamera gesammelten Material spektakuläre Aufnahmen zu finden sind. Auch Daten eines Infrarot-Spektrometers seien übermittelt worden. Bislang stand den Wissenschaftlern nur sehr begrenztes Material aus kurzen Vorbeiflügen zur Verfügung, wie 1986 am Halley"schen Kometen.
Wie geplant brach der Kontakt zu «Rosetta» während der Begegnung für rund anderthalb Stunden ab, weil sich die Sonde so schnell bewegte, dass ihre Antenne keine Signale mehr zur Erde senden konnte. Gegen 21.15 Uhr deutscher Zeit am Freitag war der Kontakt zur Freude der ESA-Mitarbeiter wieder hergestellt. «Wir sind extrem froh, dass es geklappt hat», sagte Schwehm.
Steins sitzt im sogenannten Asteroiden-Hauptgürtel, der sich zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter befindet. Dort kreisen Zehntausende von Gesteinsbrocken um die Sonne. Steins zählt zur seltenen Klasse der E-Asteroiden, die aus der Frühgeschichte des Sonnensystems stammen, und kreist in einem Abstand von 353 Millionen Kilometer um die Sonne.
Nächste Etappe einer historischen Reise
Der Asteroid war «Rosettas» erstes wissenschaftliches Zielobjekt. Für die Sonde beginnt nun die nächste Etappe ihrer historischen Reise, die 2004 begann. Sie wird in knapp zwei Jahren noch am Asteroiden Lutetia vorbeifliegen, bevor 2014 der Höhepunkt der Mission ansteht: In sechs Jahren soll sie als erstes Raumfahrzeug überhaupt auf einem Kometen landen.
