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07. September 2008
Schwan kritisiert Köhler


Berlin - Bundespräsident Horst Köhler ist von seiner Herausforderin Gesine Schwan für seine Amtsführung heftig kritisiert worden. «Aufgabe des Bundespräsidenten ist es nicht, konkrete Politik zu betreiben. Das untergräbt die Autorität des Amtes», sagte die SPD-Bewerberin der «Bild am Sonntag». Ihre Chancen, sich bei der Bundespräsidentenwahl im Mai gegen Köhler durchzusetzen, schätzte sie auf «über 50 Prozent» ein.

Schwan sagte, sie würde für den Fall einer Wahl als Vermittlerin aufzutreten. «Ich will nicht den Graben vertiefen zwischen der Gesellschaft und der Politik, sondern Handlungszwänge der Politik verständlich und durchsichtig machen.» Das sei «dringend geboten, damit Menschen nicht mehr sagen: Politiker sind entweder unmoralische oder idiotische Menschen».

Die SPD-Politikerin erklärte erneut ihre Bereitschaft zu einem Gespräch mit Linksparteichef Oskar Lafontaine. Selbst wenn die Linke einen eigenen Kandidaten für das Bundespräsidentenamt aufstellen würde, sei sie bereit, sich vorzustellen.

Ein Linkspartei-Kandidat «beunruhigt mich nicht und hielte mich auch nicht von einem Besuch ab, wenn die Fraktion mich einlädt», sagte Schwan. «Ich sage niemanden, er solle mich nicht wählen. Ich möchte selbst Personen in der Linken, die nicht als demokratisch zu verstehen sind, davon überzeugen, dass die Demokratie das richtigere System ist. Dafür werbe ich.»

Schwan missbilligte die Pläne der hessischen SPD-Vorsitzenden Andrea Ypsilanti, sich trotz gegenteiliger Wahlversprechen mit den Stimmen der Linkspartei zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen. «Versprechen zu brechen ist ein fundamentales Problem im menschlichen Zusammenleben», sagte sie. Daher müsse man Versprechen halten. «Ich rate allen, sich sehr genau zu überlegen, welche Versprechen man gibt.» Es werde bei Ypsilanti allerdings besonders hingeschaut, weil es um die Linkspartei gehe.

Einblicke ins Liebesleben

Schwan und ihr Ehemann Peter Eigen gaben der «Bild am Sonntag» auch Einblicke in ihr Liebesleben. «Die Schmetterlinge fliegen bei uns immer noch», sagte der 70-jährige Eigen. Die fünf Jahre jüngere Schwan erklärte, dass Liebe auch mit mehr als 60 Jahren «so spannend und aufwühlend ist wie mit 20». Die Liebe sei sogar fast noch schöner, weil sie sich selbst besser kenne. «Ich kann ganz anders wertschätzen, was schön ist, und brauche auch nicht die Mühsal einer jungen Ehe mit Berufseinstieg und Kindergeschrei durchzustehen», wird sie zitiert.



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