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07. September 2008
Nicht mehr ganz nah, aber auch noch nicht Geschichte


New York - Sieben Jahre nach den verheerenden Anschlägen vom 11. September hat sich im Bewusstsein der meisten US-Bürger eine gewisse Distanz eingestellt. Dies wird nicht zuletzt daran deutlich, dass Politiker inzwischen schon Witze machen über 9/11. Der demokratische Vizepräsidentschaftskandidat Joe Biden sagte über den früheren New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani, seine Syntax bestehe immer nur aus drei Elementen - ein Substantiv, ein Verb und 9/11. Seine Zuhörer reagierten mit schallendem Gelächter.

Mehr Distanz wünscht sich auch die Mutter eines im New Yorker World Trade Center umgekommenen jungen Mannes. Über Giuliani entrüstet sich Diane Horning: «Er kann nicht zwei Wörter zusammensetzen, ohne über den Tod meines Sohnes zu reden.» Für sie ist nach sieben Jahren noch keine Normalität eingekehrt, von der inzwischen häufig die Rede ist. So kämpft sie weiter dafür, dass der Schutt vom «Ground Zero» an einer als Friedhof markierten Stelle zusammengetragen wird.

Cathy Faughnan, deren Mann Christopher ebenfalls im World Trade Center ums Leben kam, hat indessen einen Neuanfang gefunden. Die heute 44-Jährige hat wieder geheiratet und ist von New York nach Colorado gezogen. Das heißt jedoch nicht, dass sie die Vergangenheit einfach vergessen will. In diesem Jahr hat sie mit ihren Kindern im Alter von nunmehr 9, 11 und 14 Jahren erstmals das Trümmergelände besucht, um ihnen zu zeigen, wo ihr Vater starb. Im Besucherzentrum am «Ground Zero» sei den Kindern erstmals das Ausmaß der damaligen Katastrophe richtig klar geworden, sagt Faughnan.

Viele Kinder können sich nicht mehr erinnern

Bemerkenswert war für die Hinterbliebenen vor allem die Erkenntnis, dass ihr jüngstes Kind sich nicht mehr an seinen Vater und die Geschehnisse von damals erinnern kann. Insofern markieren sieben Jahre schon einen großen Abstand. Dessen ist sich auch Kathy Agarth bewusst, die an einer Schule in Fort Lauderdale in Florida Zweitklässler unterrichtet. Sie soll ihnen am kommenden Donnerstag etwas über 9/11 erzählen, doch ist ihr klar, dass die Kinder dazu letztlich keinen unmittelbaren Bezug haben.

Sieben Jahre - das ist kein runder Jahrestag. Für viele US-Bürger markiert er ein Zwischenstadium: Der 11. September 2001 ist nicht mehr ganz nah, aber er ist auch noch nicht Geschichte. Wenn die Bilder von den einstürzenden Türmen des World Trade Centers im Fernsehen wieder gezeigt werden, wird dies für viele Menschen sehr schmerzlich sein, vor allem natürlich für die Angehörigen der Opfer. Und doch räumt eine zunehmende Anzahl US-Bürger bei Umfragen an, dass sie sich fast schon daran gewöhnt haben.

Dies gilt auch für die Maßnahmen, die damals folgten - die strengen Sicherheitsvorkehrungen im ganzen Land, insbesondere an Flughäfen. Diese Dinge scheinen zur sogenannten neuen Normalität zu gehören. Selbst Berichte über die Kriege im Irak und in Afghanistan sind für viele alltäglich geworden - es sei denn, sie sind persönlich betroffen. Für Sarah Arnold aus Orlando in Florida hat der diesjährige 11. September denn auch eine ganz andere Bedeutung: An diesem Tag wird es ein Jahr und 21 Tage her sein, dass ihr einziger Sohn Sandy im Irak getötet wurde.

9/11 als Freizeitpark?

Niemand zweifelt indes daran, dass in den USA nichts mehr so sein wird wie vor 9/11. «Unsere Nation hat sich wegen dieser Anschläge in vieler Hinsicht verändert», sagt der Historiker Alfred Goldberg, der bis vor kurzem im Verteidigungsministerium tätig war. Er verweist auf die wirtschaftlichen und psychologischen Effekte. Diese hätten unter anderem dazu geführt, dass das Terrornetzwerk Al Kaida als Macht des Bösen allgegenwärtig sei, wenngleich die Wahrnehmung der Bedrohung mitunter wohl etwas übertrieben sei.

Außer in New York und Washington wird am 11. September auch in Somerset County im Staat Pennsylvania eine Gedenkveranstaltung stattfinden. Dort stürzte das Flugzeug ab, dessen Insassen die Luftpiraten offenbar daran hinderten, ihr eigentliches Ziel anzufliegen. Jedes Jahr kommen tausende Schaulustige an diesem Ort, und jetzt soll sogar ein Nationalpark eingerichtet werden.

«Man kann sich das Denkmal für die Absturzopfer ansehen, aber es gibt darüber hinaus noch andere Möglichkeiten», wirbt Brian Whipkey, Chefredakteur des «Somerset Daily American». «Es gibt Wildwasserfahrten, Skifahren, Radfahren, Wandern.»








 
 



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