Armenien und die Türkei haben beim Fußball eine Überwindung ihrer jahrzehntelangen Spannungen ins Auge gefasst. Der türkische Präsident Abdullah Gül folgte am Samstag einer Einladung der armenischen Regierung und besuchte das WM-Qualifikationsspiel beider Länder in Eriwan. Zum Rückspiel am 14. Oktober 2009 lud Gül den armenischen Präsidenten Serge Sarkisjan nach Istanbul ein.
«Wir sind entschlossen, ein Klima zu schaffen, um die zwischen der Türkei und Armenien bestehenden Probleme zu überwinden», sagte Gül nach der Begegnung mit Sarkisjan. Dieser versicherte nach einer Meldung der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu: «Wir werden unsere Probleme lösen und dies nicht den kommenden Generationen überlassen.»
Auf der Fahrt ins Stadion säumten mehrere tausend Demonstranten die Straßen und forderten, dass die Türkei die Massaker an Armeniern im Ersten Weltkrieg als Völkermord anerkennt. Sie trugen Plakate mit Aufschriften wie «Wir wollen Gerechtigkeit» oder «1915, nie wieder». Gül sagte, er hoffe, dass sein Besuch zu regionaler Freundschaft und Frieden beitragen werde. «Vor etwa einem Monat haben wir alle gesehen, wie ungelöste Konflikte die regionale Stabilität und den Frieden im Kaukasus bedroht haben», sagte er mit Blick auf den Konflikt zwischen Russland und Georgien.
Gül ist der erste türkische Präsident, der Armenien seit der Unabhängigkeit 1991 besucht hat. Beide Staaten unterhalten keine diplomatischen Beziehungen, und die Grenzen sind seit 1993 geschlossen. Damals protestierte die Türkei gegen den armenischen Vorstoß in der innerhalb von Aserbaidschan gelegenen Region Berg-Karabach. Das Verhältnis zwischen Türken und Armeniern ist seit 1915 erheblich belastet. Damals wurden bei Verfolgungen im Osmanischen Reich bis zu 1,5 Millionen Armenier getötet.
Gül und Sarkisjan verfolgten das Fußballspiel am Samstagabend in Eriwan hinter kugelsicherem Glas. Beim Abspielen der türkischen Hymne gab es Pfiffe. Die türkische Nationalmannschaft gewann das Spiel mit 2:0, beide Tore fielen in der zweiten Halbzeit.
