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07. August 2008
24 Verletzte bei Schiffsunglück in der offenen Nordsee


Emden - Horrortrip für Helgoland-Urlauber: Bei starkem Seegang auf der offenen Nordsee hat eine große Welle die Reling eines Hochgeschwindigkeits-Katamarans aus der Verankerung gerissen und offenbar so gegen ein Panoramafenster gedrückt, dass die Scheibe zerbarst und 24 dahinter sitzende Passagiere zum Teil schwer verletzt wurden. Wie es dazu kommen konnte, dass das Metallstück losgerissen wurde, war zunächst völlig unklar.

Insgesamt waren bei dem Unglück am Montagabend auf der Rückfahrt von Helgoland nach Ostfriesland laut Reederei AG Ems 357 Passagiere und zehn Besatzungsmitglieder an Bord. Die Wasserschutzpolizei Emden ermittelte in alle Richtungen. Auch die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) schaltete sich ein.

Bis die Verletzten fachärztlich behandelt werden konnten, mussten sie noch bange drei Stunden warten. Denn solange brauchte das Schiff, um die ostfriesische Insel Borkum anzulaufen, wie Polizeisprecher Jörg Lobeck sagte. Das zerborstene Fenster war zuvor mit einer sogenannten Seeschlagbremse wieder wasserdicht verschlossen worden, wie Habben sagte.

16 Passagiere konnten laut Polizei wegen Schnittverletzungen und Prellungen ambulant versorgt werden, fünf kamen vorübergehend ins Inselkrankenhaus. Drei Reisende wurden so schwer verletzt, dass sie mit einem Rettungshubschrauber zum Klinikum Emden geflogen werden mussten.

Presseberichte, wonach sich der Gesundheitszustand eines der Schwerverletzten am Dienstag so verschlechtert hatte, dass er in Lebensgefahr schwebte, konnte der Polizeisprecher nicht bestätigen.

Nach den Erkenntnissen der Polizei ereignete sich der Unfall der «MS Polarstern» am Montag, gegen 18.15 Uhr, auf etwas mehr als halber Strecke zwischen Helgoland und der Insel Norderney im sogenannten Trennungsgebiet Terschelling-German Bight und damit auf der Hauptverkehrsroute der großen Containerschiffe nördlich der ostfriesischen Nordseeinseln.

Materialfehler oder menschliches Versagen?

Die Ermittlungen müssten nun zeigen, ob zum Beispiel ein Materialfehler, ein Fehler des Kapitäns oder Wartungsversäumnisse schuld an dem Unfall waren, sagte Polizeisprecher Lobeck. Am Montagabend hatten nach seinen Angaben Windstärken von 5 bis 6 geherrscht. Die Wellen dürften laut Lobeck etwa 2,50 Meter hoch gewesen sein.

Wartungsfehler scheiden nach Ansicht der Sprecherin der Reederei des Katamarans, der AG Ems, als Unglücksursache aus. Das Schiff sei vorschriftsmäßig jährlich in der Werft. Denkbar sei höhere Gewalt. Die Schiffe würden von erfahrenen Nautikern geführt. Nach ersten Erkenntnisse habe sich der Kapitän völlig an die Vorschriften gehalten. Von der Brücke aus habe er das Unglück nicht sehen können.

Schiff erst sieben Jahre alt

Nach Angaben der Reederei ist der Katamaran sieben Jahre alt. Er erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 42 Knoten entsprechend rund 77,8 Stundenkilometer. Zum Unfallzeitpunkt fuhr er den Angaben zufolge mit etwa halber maximaler Geschwindigkeit. Maximal kann er 402 Fahrgäste befördern.

Zwei nach Emden entsandte Mitarbeiter der BSU untersuchen nach Angaben der Bundesoberbehörde nun das Schiff. Außerdem würden sämtliche verfügbaren Daten über Wellenhöhen, Wellenlängen und Windgeschwindigkeiten in die Untersuchungen einbezogen, zudem Radardaten und Funkaufzeichnungen und selbstverständlich die Aussagen von Passagieren und Besatzung.








 
 



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