Die Sanierung der insolventen Kaufhauskette Hertie könnte für einige unrentable Filialen das Aus bedeuten. Im Interesse des Gesamtunternehmens sei es durchaus möglich, dass Häuser geschlossen würden, sagte Insolvenzverwalter Biner Bähr der Online-Ausgabe der «Süddeutschen». Man könne sich in der Insolvenz nicht erlauben, Häuser mitzufinanzieren, die sich dauerhaft nicht tragen würden. «Das würde die Sanierung der anderen Häuser gefährden.» Bähr betonte aber, um jedes einzelne Haus kämpfen zu wollen.
Derzeit verschafft sich der Insolvenzverwalter einen Überblick über die finanzielle Situation aller 72 Hertie-Standorte. Ein Investmenthaus sei mit der weltweiten Suche nach einem geeigneten Investor beauftragt worden. «Am Ende des Prozesses werden wir dann hoffentlich einen Investor haben, der zu Hertie passt und mit dem sowohl die Mitarbeiter als auch die Lieferanten und Kunden gut leben können», sagte Bähr.
Für die Suche rechnete der Insolvenzverwalter mit einer Dauer von drei Monaten. Es werde sich wohl nur schwer ein strategischer Investor finden - daher schloss er den Einstieg von Finanzinvestoren nicht aus. «Finanzinvestoren werden viel zu leichtfertig verteufelt - sie sind in vielen Fällen die einzigen, die sich engagieren», wurde Bähr zitiert.
Hertie hatte in der vergangenen Woche Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen betreibt 73 Filialen mit mehr als 4.100 Mitarbeitern, vor allem in mittelgroßen Städten mit Schwerpunkten in Nordrhein-Westfalen und Norddeutschland. Der Betrieb läuft zunächst weiter.
