Der malaysische Oppositionsführer Anwar Ibrahim ist jetzt formell wegen homosexueller Kontakte zu einem Mitarbeiter angeklagt worden. Anwar wies den Vorwurf bei einer Gerichtsanhörung am Donnerstag in Kuala Lumpur zurück. Er sprach von einer «böswilligen Beschuldigung». Homosexuelle Kontakte können in dem islamischen Land mit bis zu 20 Jahren Haft bestraft werden.
Anwar bleibt bis zum Prozess gegen Kaution auf freiem Fuß. Das Gericht will am 10. September über den Prozesstermin entscheiden. Der Oppositionsführer war im Juli nach den Vorwürfen gegen ihn verhaftet und gegen Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Es geht dabei um mögliche sexuelle Kontakte zu einem männlichen Mitarbeiter, die in gegenseitigem Einvernehmen erfolgt sein sollen.
Die neuen Vorwürfe bezeichnet Anwar als eine Verschwörung, um ihn von der Macht fernzuhalten. Er hatte die Opposition bei den letzten Wahlen zu großen Erfolgen geführt und der regierenden Nationalen Front die schwersten Verluste ihrer Geschichte beschert. Sein Anwalt erklärte, die Vorwürfe seien völlig haltlos. Anwar habe ein Alibi. Zudem stelle sich die Frage, warum nur er und nicht auch sein Mitarbeiter angeklagt worden sei.
Unter ähnlichen Anschuldigungen war Anwar bereits 1998 verhaftet worden, als er stellvertretender Ministerpräsident und Finanzminister war. Er wurde aus den Ämtern entlassen und zu einer Haftstrafe verurteilt, von der er bis 2004 sechs Jahre absaß. Das Urteil gegen ihn wurde dann aber wieder aufgehoben und für nichtig erklärt.
