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07. August 2008
Ruine der Berliner Gedächtniskirche in Gefahr


Berlin - Eines der bekanntesten Berliner Wahrzeichen ist in Gefahr: Die Sanierung der Gedächtniskirche ist verschoben worden, weil bislang das Geld fehlt. Dies bestätigte die Agentur Kaiserwetter, die eine Spendenaktion zur Rettung des im Zweiten Weltkrieg zerbombten Kirchturms organisiert.

Seit Ende letzten Jahres sind nach Angaben der Agentur etwa 450.000 Euro zusammen gekommen. Damit sei man «nicht unzufrieden», sagte Sprecherin Kathrin Dost. Allerdings seien 3,3 Millionen Euro für die Sicherung der Ruine nötig, die an allen Ecken und Enden bröckelt.

Zwei Gutachten aus den Jahren 2006 und 2007 hatten schwere Schäden an dem alten Kirchturm am Breitscheitplatz festgestellt, der als überragendes Wahrzeichen der Westberliner City gilt. Demnach sind an der Natursteinfassade die Steine rissig und die Fugen locker. Auch den Ziegelwänden im Innern haben Wind und Wetter sowie die Erschütterungen des Autoverkehrs und der U-Bahn zugesetzt.

Hoffnung auf Zuschuss

«Wenn jetzt im Winter Wasser in die schadhaften Fugen und Steine eindringt und dann bei Frost gefriert, könnte das Eis die Steine auseinandersprengen», warnten Baufachleute, wie die Kirchengemeinde berichtet. Pfarrer Martin Germer macht sich inzwischen Sorgen, dass Teile der Fassade aus großer Höhe herabfallen könnten. Noch bestehe keine akute Gefahr für Passanten, aber man wisse nicht, was der nächste Winter bringe. Die Ruine ist immerhin 68 Meter hoch.

Deshalb sollten nach Dosts Worten eigentlich schon vor einigen Monaten die Sanierungsarbeiten beginnen. Doch fehlten nicht nur Spendengelder, sondern auch die Zusage für einen Zuschuss des Landes Berlins. Die Evangelische Landeskirche hofft nach einem Bericht des «Tagesspiegel» auf 1,5 Millionen Euro vom Land, das aber noch mit dem Bund verhandele. Im schlimmsten Fall könnte es sein, dass in diesem Jahr die Bauarbeiten gar nicht mehr anfingen, sagte Dost.

Davor warnt Pfarrer Germer nachdrücklich, denn die Schäden würden immer schlimmer. «Wenn wir die Sanierung hinausschieben, wird sie so teuer, dass die Mittel dann überhaupt nicht mehr aufgebracht werden können», zitiert die Gemeinde ihren Pfarrer auf ihrer Internetseite.

Quietscheentchen und rote Rosen

Für die Spendenaktion rührt die Agentur derweil kräftig die Werbetrommel. Unter anderem läuft eine Versteigerung von Tickets für eine Turmbesteigung mit dem Kabarettisten Eckart von Hirschhausen Ende August. Mitte September soll ein Rennen mit Plastikquietscheentchen, die für fünf Euro auf der Spree an den Start gehen dürfen, Geld in die Kasse bringen. Für eine Spende ab 100 Euro kann man «Fugenpate» für die Sanierung einer Fuge an der Kirchenruine werden. Außerdem gibt es eine Benefiz-CD mit dem Song «Für Dich soll"s rote Rosen regnen». Die Spendenaktion sei auf mehrere Jahre angelegt, sagte Thorsten Süfke von der Berliner Bank, die als Partner der Kampagne auftritt.

Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zu Ehren Wilhelm I. war am 1. September 1895 eingeweiht worden. Die Baukosten lagen damals bei 6,8 Millionen Mark. 1943 war der einst 113 Meter hohe Hauptturm von Bomben der Alliierten getroffen worden. Nach dem Krieg waren Abriss und Neubau erwogen worden, was aber eine heftige Debatte auslöste. Schließlich wurde die Ruine gesichert und daneben nach Entwürfen des Architekten Egon Eiermann ein Bauensemble mit einem sechseckigen Glockenturm errichtet. Der Neubau wurde 1961 eingeweiht und inzwischen ebenfalls saniert.






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