Als Online-Gemeinschaft der akademischen Szene in den USA gegründet, hat Facebook in den vergangenen Jahren eine immer stärkere Eigendynamik gewonnen. Seit Februar hat das Community-Portal 18 Ableger außerhalb der Vereinigten Staaten eingerichtet, darunter auch in Deutschland. 54 weitere sind geplant. Dabei stößt das Unternehmen aber auf etliche Hindernisse.
In vielen Ländern gibt es bereits fest etablierte Online-Communities, die nach dem gleichen Prinzip wie Facebook funktionieren: Im Zentrum steht die Erstellung von persönlichen Profilen, die mit einer Vielzahl von Web-Anwendungen wie zum Beispiel einer Fotogalerie belegt werden. Das US-Unternehmen hat die Community-Portale im Ausland bislang ignoriert, seine Haltung nun aber offenbar geändert.
Gegen den deutschen Marktführer StudiVZ, das zur Verlagsgruppe Holtzbrinck gehört, wurde eine Klage vor einem kalifornischen Gericht eingereicht. Bei StudiVZ betrachtet man den Vorstoß gelassen und wartete zu Beginn dieser Woche noch auf die offizielle Zustellung der Klage. «Es gibt weltweit zahlreiche soziale Netzwerke», erklärte StudiVZ-Chef Marcus Riecke. «Facebook war nicht das erste und ist beileibe nicht das Einzige.»
In englischsprachigen Ländern hat es Facebook einfacher. In Großbritannien ist Facebook das meistgenutzte «Social Network». In Frankreich gehört es nach Erhebungen des Instituts comScore immerhin zu den drei führenden Anbietern. Ähnlich wie in Deutschland gibt es für Facebook aber auch in Russland Probleme.
«Ich glaube nicht, dass sie zu Facebook wechseln»
Dort hat die russischsprachige Community Vkontakte bereits mehr als 14 Millionen Mitglieder. «Alle meine russischen Freunde sind bei Vkontakte», sagt die 21-jährige Moskauerin Galina Ryasanowa. «Ich glaube nicht, dass sie zu Facebook wechseln, weil sich jeder bereits bei Vkontakte eingerichtet hat.» Galina nutzt Facebook für den Kontakt zu ihren Bekanntschaften außerhalb von Russland, schaut dort aber nur etwa einmal im Monat vorbei. Bei Vkontakte sei sie jedoch drei oder vier Mal in der Woche, erklärt die Moskauerin.
Facebook-Entwickler Alex Moskaljuk sagt, sein Unternehmen verfolge nicht die Strategie, Mitglieder von anderen Communities abzuziehen. «Man kann seine Zeit entweder damit verbringen, sich Sorgen über den Wettbewerb zu machen oder das eigene Produkt weiter zu verbessern», sagt der Programmierer. «Wir haben uns für die zweite Option entschieden.» Facebook-Sprecherin Jaime Schopflin sieht den Vorteil des eigenen Unternehmens vor allem in der internationalen Reichweite, was nationale Anbieter nicht leisten könnten. «Sie können Zulauf in einzelnen Ländern gewinnen, sind aber nicht in der Lage, sich dem globalen Wettbewerb zu stellen», sagt die Firmensprecherin.
Aber die sozialen Netzwerke sind ein Spiegel des realen Lebens. Und daher sind die meisten Internet-Nutzer wenig geneigt, in eine Nachbarschaft umzuziehen, wo sie keine Freunde haben. «Facebook ist amerikanisch und Vkontakte ist russisch», sagt Ryasanowa. «Das ist der Hauptunterschied. Es wird schwer für Facebook, Vkontakte abzulösen.»
