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07. August 2008
Krank im Ruß


Taiyuan - Die Kohle macht sie reich, doch mit dem Ruß kommt auch der Tod: Während die neuen Millionäre mit teuren Limousinen durch die Straßen fahren, wird der Himmel über der Drei-Millionen-Stadt Taiyuan von Schmutzwolken verhüllt. Nirgends in China wird mehr Kohle gefördert als in der Provinz Shanxi, und kaum irgendwo ist die Luft so schlecht wie in der Provinzhauptstadt 400 Kilometer südwestlich von Peking. Selbst in London oder New York liegt die Luftverschmutzung nur bei einem Fünftel bis Zehntel dessen, was in Taiyuan gemessen wird.

«Ich sorge mich um meine Kinder», sagt Zhang, die im Schatten eines Kraftwerks und einer Düngemittelfabrik lebt. Die Bewohner versiegeln ihre Fenster gegen den Dreck, Kleinkinder sollen nicht draußen spielen. Obst und Gemüse müssen vor dem Verzehr mit Reinigungsmittel gesäubert werden. «Wenn du ernsthaft krank wirst, stirbst du», sagt Zhang.

Draußen vor der Stadt legt sich der Ruß auf die Felder. Auch die Waren der Straßenverkäufer sind von grauem Staub bedeckt, der beißende Rauch der Kohlekraftwerke verdeckt die Morgensonne. An manchen Tagen ist die Luft so trübe, dass die Autobahnen geschlossen werden und Flugzeuge am Boden bleiben müssen. Richtig blau ist der Himmel in Taiyuan nur noch an weniger als 120 Tagen im Jahr.

Der pensionierte Ingenieur William Li klagt über Atemwegsreizungen: «Ich fühle mich schrecklich und huste die ganze Zeit.» Sein Vater starb an Lungenkrebs, auch sein Sohn leidet an einer Erkrankung der Atemwege. «Die Kohle erzeugt elektrische Energie, die wir in andere Provinzen exportieren. Aber die Verschmutzungen bleiben bei uns», sagt Li.

Menschen leiden an saurem Regen und Asthma

Bis 2030 soll die weltweite Nachfrage nach Kohle Prognosen zufolge um weitere 60 Prozent auf 6,9 Milliarden Tonnen pro Jahr steigen. Der größte Teil davon wird in Kraftwerken für die Stromerzeugung verfeuert. Die Abgase verursachen neben Klimaschäden durch freigesetztes CO2 und saurem Regen auch Atemwegserkrankungen wie Asthma. Bei mehr zwei Millionen Menschen jährlich führt die weltweite Luftverschmutzung nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum frühzeitigen Tod.

Doch seit der chinesische Energiehunger in Taiyuan für Wohlstand sorgt, wächst auch der Glamour: Teure Hotels präsentieren Kohlebrocken in der Lobby, Einkaufshäuser werben für Luxusgüter. Überall ragen Baukräne in den Himmel, die Immobilienpreise haben sich verdoppelt. Die große Bedeutung des Kohleabbaus für die Region wird in einem eigenen Museum gewürdigt.

Während in Peking oder Schanghai vor den Olympischen Spielen der Druck wächst, die Luftqualität zu verbessern, müssen Provinzen wie Shanxi einen immer größeren Teil der Energieversorgung übernehmen. «Sie schauen auf verschmutzte Orte wie Taiyuan und sagen, das ist so verdreckt dort, dass es keine Rolle spielt, ob sie fünf weitere Kraftwerke haben», sagt Ramanan Laxminarayan, Mitarbeiter der amerikanischen Forschungsgruppe Resources for the Future (Ressourcen für die Zukunft).

Von den 30 am stärksten verschmutzten Städten weltweit befinden nach Angaben der Weltbank 20 in China. Die Kosten der Gesundheitsversorgung im Zusammenhang mit Luftverschmutzung liegen demnach inzwischen bei rund 68 Milliarden Dollar (43,3 Milliarden Euro) pro Jahr das sind fast vier Prozent der volkswirtschaftlichen Leistung des Landes.

Quecksilber gelangt in die Nahrung

«Was wir in China sehen, ist ein enormes Wirtschaftswachstum, und China zahlt dafür einen Preis», sagt der WHO-Gesandte Henk Bekedam. An den Konsequenzen hat jedoch die ganze Welt zu leiden: Untersuchungen zufolge verteilt sich der Ruß über Kontinente hinweg und führt selbst in großer Entfernung zu verstärkter Wolkenbildung, Stürmen, saurem Regen und steigenden Ozonwerten. Als Nebenprodukt des Kohleabbaus wird zudem giftiges Quecksilber freigesetzt, das von Fischen aufgenommen wird und so in die Nahrungskette des Menschen gelangt.

Auch deshalb hat die Regierung in Peking angekündigt, bis 2010 inneffiziente Kraftwerke im Umfang von 50 Gigawatt zu schließen insgesamt rund acht Prozent der landesweiten Kapazitäten zur Stromerzeugung. Zugleich soll der Anteil erneuerbarer Energien bis dahin auf zehn Prozent steigen.

Eine endgültige Lösung gibt es bislang allerdings nicht, sagen Experten. «Jeder weiß, dass Kohle schmutzig ist - aber es besteht keine Möglichkeit für China, die Kohle ganz abzuschaffen», erklärt Zhao Jianping von der Weltbank. «In den kommenden Jahren muss es daran festhalten bis die Menschen eine neue Wunderlösung finden.»








 
 



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