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07. August 2008
Schulforscher Klemm befürchtet Verschärfung des Lehrermangels


Frankfurt - Der Lehrermangel könnte nach Einschätzung des Bildungsforschers Klaus Klemm von den aktuellen Hochschulreformen noch verschärft werden. Man wisse noch nicht, wie sich die Umstellung des Lehramtsstudiums auf Bachelor (BA) und Master (MA) auswirken werde, sagte Klemm der Nachrichtenagentur AP. Generell wollten die Hochschulen nach dem BA-Studium möglichst wenig Studenten beim MA weitermachen lassen, um leistungsstarke kleine Gruppen zu haben. «Wenn sie das bei der Lehrerbildung auch machen, dann steigt der Lehrermangel ins Unermessliche.»

Generell herrsche bei der Umstellung der Lehrerausbildung auf BA und MA momentan «ein ziemliches Chaos», weil die Bundesländer unterschiedlich weit seien und unterschiedliche Modelle hätten, kritisierte Klemm. Da sich zudem inzwischen viele zukünftige Lehrer in BA-Studiengänge einschrieben und nicht mehr in Lehramtsstudiengänge, könne man noch schlechter als bisher eine Prognose über die künftigen Lehrerzahlen anstellen, sagte Klemm, der 30 Jahre lang Inhaber des Lehrstuhls für Bildungsforschung und Bildungsplanung an der Universität Duisburg-Essen war.

Beim Thema Lehrerbesoldung forderte Klemm zentrale Regelungen. Er kritisierte scharf die derzeitige Werbekampagne des Landes Hessen, das mit Plakaten Lehrer aus anderen Bundesländern abwirbt. «Ich halte es für unglaublich, dass Lehrer abgeworben werden, die dann in anderen Ländern fehlen, weil Hessen ihnen etwas mehr bezahlt oder sie etwas schneller verbeamtet», sagte der Bildungsforscher. «Es kann nicht sein, dass wir in einer Situation, in der in manchen Bereichen bereits Lehrer fehlen, einen bundesweiten Wettlauf um Lehrer bekommen. Das geht auch zulasten der Schüler, deren Lehrer weggehen.»

Wenig Erwartungen an Bildungsgipfel

Vom angekündigten Bildungsgipfel von Bund und Ländern erwartet Klemm wenig. «Ich halte das weitgehend für Symbolpolitik», sagte er. Die Regierungsparteien im Bund, die nun ein stärkeres Engagement des Bundes in der Bildungspolitik ankündigten, hätten selbst bei der Föderalismusreform dessen Kompetenzen weiter gestutzt und die der Länder gestärkt. «Ich weiß nicht, worüber die auf Bundesebene so diskutieren wollen, dass hinterher Maßnahmen folgen - denn die Maßnahmen können sie nicht machen, weil sie nicht zuständig sind.»






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