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07. August 2008
Muse wider Willen


Frankfurt - Zelda und F. Scott Fitzgerald waren das Glamourpaar der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Im exzentrischen Leben des Paares war er der Glänzende, sie galt als hysterische Verrückte, musste ihre Talente im Versteckten ausleben, sie war seine Muse wider Willen. Die Beschreibung ihrer Lebensgeschichte ist im Roman von Gilles Leroy zwar zu einem Großteil fiktiv, aber vieles könnte wohl so gewesen sein.

Zelda lernt Scott 1918 im verschlafenen Provinznest Montgomery im US-Staat Alabama als Soldat kennen. Er ist attraktiv und ehrgeizig, erst 21 Jahre alt, und will nicht weniger als der berühmteste Schriftsteller Amerikas werden. Zelda Sayre, 18-jährig, aus gutem Hause, genießt es, dass die lärmenden Soldaten um sie herumscharwenzeln und entscheidet sich schließlich für F. Scott Fitzgerald.

Mit dem Berühmtwerden dauert es aber noch eine Weile, Zelda will schon daran zweifeln und treibt sich auch schon mal mit anderen Männern herum. Sie will weg aus Montgomery, obwohl Scott sie als seine «Southern Belle» liebt und begehrt. «Es wird kein Rosenpfad sein», sagt sich Zelda bei der Hochzeit. Und sie sollte mehr als recht behalten.

Das Paar lebt in Westport, feiert wilde Partys, langweilt sich aber bald. Scott scheint sich weder als Ehemann noch als Liebhaber zu bewähren. Zelda verliebt sich in den französischen Verleger Jozan. Am Strand von Fréjus in Frankreich erlebt sie mit ihm eine kurze Amour fou. Scott zwingt Zelda jedoch zur Trennung. Drei Monate lang sperrt er sie zur Strafe in ein leeres, abgelegenes Haus. Die Kurzgeschichten, die sie während der Zeit schreibt, verkauft er in New York, um den Lebensunterhalt der Familie zu bestreiten. Er entfremdet ihr auch zunehmend die gemeinsame Tochter.

1925 gelingt Scott mit: «The great Gatsby» der Durchbruch. Er sonnt sich in seinem Erfolg, während Zelda immer mehr verkommt, trinkt und kokst. Er reicht sie von Psychiater zu Psychiater, verfällt selber dem Alkohol und zeigt immer offener seine homosexuellen Vorlieben. Das Paar tingelt nächtelang durch Clubs und Bars in Paris.

Zwölf Jahre nach der Heirat, 30 Jahre alt, empfindet sich Zelda als alte Schachtel an der Seite eines Säufers mit einem Berg von Schulden. Sie beschuldigt ihn immer öfter, er stehe ihr vor der Sonne, lasse sie nicht schreiben und gebe ihre Texte als die seinen aus. Scott habe ihr nie eine Chance gegeben, er habe sich sogar verbissen bemüht, ihre Chancen zu vernichten.

1934 erscheint «Zärtlich ist die Nacht», Scott verarbeitet darin seine Ehe-Tragödie. Zelda beklagt sich, er beschreibe sie als reif für die Klapsmühle, als Tobsüchtige, die man nur mit Morphium, Schlaftabletten und Elektroschocks ruhig stellen könne. Die Beziehung ist endgültig am Ende - und Zelda auch. Acht Jahre nach seinem Tod 1941 stirbt auch sie - beim Brand in einer psychiatrischen Klinik.

Auch als Fiktion zeigt dieses Buch eindrücklich und auf kurzweilige Art in Tagebuchform geschrieben das Leben dieses exzentrischen Künstlerpaars. Während er daraus den Stoff für seine Romane zog, stand sie in seinem Schatten, schrieb, tanzte, malte heimlich und galt gleichzeitig als hysterisch und verrückt. Ein nicht untypisches Künstler-Frauen-Leben in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, trefflich und spannend beschrieben von einem jungen Schriftsteller. (Sonja Kolb)






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