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07. August 2008
Horror in the city


Frankfurt - «Sieben Tage» ist ein grauenhaftes Buch. Der erste Roman von Jonny Glynn - in London als «Debüt des Jahres 2007» gefeiert - verstört und provoziert. Und das mit einer Radikalität, die zutiefst bedrückend ist. Peter Crumb war einmal ein ganz normaler Mann mit gutem Job, netter Frau und reizendem Kind. Bis vor Jahren seine Tochter einem grausamen Triebtäter zum Opfer fiel - und Crumb nicht nur die furchtbar entstellte Leiche der siebenjährigen Emma fand, sondern sich auch mit Vorwürfen marterte. Denn er war es, der seiner Tochter erlaubte, alleine zum Kiosk zu laufen, wo sie ihren Mörder traf. Danach geriet alles aus den Fugen, sicher allmählich, in einem schleichenden Prozess.

Den Lesern erspart der Autor zumindest Crumbs langsames Abgleiten in den Wahnsinn, er stellt seinen Protagonisten erst vor, als dieser beschließt, seinem Leben ein Ende zu setzen - und zwar nachdem er sieben Tage durch die heile Welt gewütet ist. Nicht der traumatisierte und vereinsamte Peter Crumb hat diese Idee, sondern dessen Alter Ego, der schizophrene Teil in ihm, der die furchtbaren Ereignisse nie bewältigt hat.

Glynn zeichnet das Porträt einer gespaltenen Persönlichkeit, die sich in guten Momenten gegen das in ihr wütende Böse stemmt, eigentlich aber aufgegeben hat und den Horror im eigenen Leben bekämpft, indem sie Grauen verbreitet. So tötet Crumb wahllos: Der jungen Verkäuferin in einem Zeitschriftenladen zertrümmert er den Schädel, eine cracksüchtige Prostituierte prügelt er nach brutalem Analverkehr krankenhausreif, das Nachbarehepaar metzelt er nieder, eine junge Frau vergewaltigt er und zerstückelt ihre Leiche. Die Liste der Verbrechen, die Crumb begeht, ist so lang wie widerlich.

Immer wieder gibt es Momente, in denen Crumb zu einer gewissen Normalität zurückfindet und begreift, was mit ihm passiert. Doch das sind lediglich winzige Verschnaufpausen, in denen das Böse in Crumb schweigt, um kurz danach umso heftiger aufzubegehren.

Die Gewaltszenen verfolgen einen nach dem Lesen noch lange, Glynns Roman ist nichts für Zartbesaitete - und die Botschaft macht zudem betroffen. Denn die Moral von der Geschichte lautet: Wir alle haben einen Peter Crumb in uns, der zum Vorschein kommen kann, wenn uns ein grauenhaftes Erlebnis aus der Bahn wirft. (Anke Breitmaier)






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