Trotz eines Gewinneinbruchs im ersten Halbjahr und getrübter Aussichten für das Gesamtjahr will die Münchener Rück nicht an ihrer Dividende sparen. Für 2008 wird der weltweit zweitgrößte Rückversicherer mindestens den Vorjahreswert von 5,50 Euro pro Anteil zahlen, wie er am Mittwoch in München ankündigte. Der Konzern rechnet seit einer Gewinnwarnung vom 25. Juli mit einem Jahresgewinn von «deutlich über 2 Milliarden Euro» und nicht mehr mit den ursprünglich angekündigten 3,0 bis 3,4 Milliarden.
Die Börse reagierte positiv, bis zum Nachmittag legte die Aktie der Münchener Rück 1,5 Prozent zu. Im ersten Halbjahr war der Gewinn des Konzerns um ein Drittel auf 1,4 Milliarden Euro abgesackt. Vor allem das Ergebnis aus Aktien und Immobilienanlagen schlug sich negativ nieder. Es stürzte im Zuge der von der Finanzmarktkrise ausgelösten Turbulenzen regelrecht ab und lag bei Minus 267 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum war aus diesem Bereich noch ein Plus von rund 2,0 Milliarden Euro gekommen.
Deutlich sind die Auswirkungen der Finanzmarktkrise auch im Kapitalanlagevermögen der Münchener Rück zu sehen. Es ging um 10 Milliarden auf 166 Milliarden Euro zurück. Vor allem sinkende Aktienkurse und Währungsschwankungen seien dafür verantwortlich, erklärte der Konzern, mit Verkäufen habe man sich dagegen bewusst zurückgehalten.
3,4 Milliarden Euro nicht realisierte Gewinne im Portfolio
Bei gleichbleibenden Kursen drohten aber keine verstecken Risiken, betonte Finanzvorstand Jörg Schneider. Möglichen Abschreibungen von etwa 1 Milliarde Euro stünden nicht realisierte Gewinne von 3,4 Milliarden Euro gegenüber. Insgesamt habe der Konzern dank seines ausgewogenen Portfolios in der Krise relativ gut abgeschnitten. Als mittelfristige Gewinn-Prognose nannte die Münchener Rück 18 Euro pro Aktie im Jahr 2010.
Konzern-Chef Nikolaus von Bomhard betonte, dass sich aus der aktuellen schwierigen Lage auch Gelegenheiten für die Münchener Rück ergäben, da diese «ihr Pulver trocken gehalten» und nun Möglichkeiten habe, die anderen Mitbewerbern nicht zur Verfügung stünden. Große Zukäufe seien aber nicht zu erwarten, erklärte er. Die Preise seien derzeit zu hoch.
Auch Rückversicherungsvorstand Torsten Jeworrek gewann dem schwierigen Umfeld eine positive Seite ab. Es werde die anderen Marktteilnehmer möglicherweise dazu bringen, stärker auf Profitabilität zu achten, so dass die in letzter Zeit gesunkenen Prämien wieder anziehen könnten.
Das Rückversicherungsgeschäft erreichte im ersten Halbjahr zwar ein operatives Plus von 6,2 Prozent auf 2,57 Milliarden Euro, dieser Wert enthält aber eine Sonderdividende der Erstversicherungstochter Ergo für 2007 in Höhe von 947 Millionen Euro. Bei der Erstversicherungstochter selbst liefen die Geschäfte schwächer. Ihr operatives Ergebnis sank im ersten Halbjahr um 12,8 Prozent auf 532 Millionen Euro.
