«Autofahrer Franz» arbeitet mit allen Tricks. «Steig" ein, ich fahr" dich nach Hause, ich kenn" doch deinen Papa vom Fußballspielen», sagt er zum kleinen Dennis. Aber Dennis will nicht mitfahren. «Ich habe zu Hause kleine Hundwelpen, die kannst du streicheln», lockt «Autofahrer Franz». «Nein, nein, steig" nicht ein, das ist ein Kinderdieb!», rufen zahlreiche Kinder vor der Puppenbühne - denn Dennis ist genauso eine Handpuppe wie «Autofahrer Franz». Mit ihrer Hilfe zeigt die Polizeipuppenbühne Mainz Kindern, wie sie sich vor Gefahren schützen können.
Rund eine halbe Stunde lang erleben Dennis und sein Freund Peter in dem Stück «Zwei Freunde und ein Roller» Situationen, die Kinder im Vor- und Grundschulalter widerfahren können: Sie wollen eine Straße überqueren, aber Peter steht zu dicht am Bordstein, so dass er fast von einem Auto angefahren wird. «Erst muss ich am Haltstein steh"n, dann nach beiden Seiten seh"n, ist die Fahrbahn wirklich frei, geh" ich rüber, eins, zwei, drei!» lernen Peter, Dennis und die Kinder gemeinsam den «Haltsteinspruch». Danach kauft Peter ein Geburtstagsgeschenk, während Dennis beim Warten sein Erlebnis mit «Autofahrer Franz» hat - und den Kindern zeigt, dass man nie zu jemandem ins Auto steigen soll, ohne das mit Mama und Papa besprochen zu haben.
«Pädagogisches Figurentheater ist kein klassisches Kasperle-Theater», erklärt Stefan Löseke von der Polizeipuppenbühne Mainz. «Das ist kein Klamauk mit Jahrmarktcharakter, sondern es ist genauso eine Lehr- und Lernmethode wie ein klassischer Vortrag oder eine Powerpoint-Präsentation - aber mit erheblichem Vorteil bei bestimmten Zielgruppen!» Untersuchungen hätten gezeigt, dass bei einem Vortrag nach einem Monat nur noch zehn Prozent der vermittelten Lernziele in Erinnerung blieben. «Beim Puppenspiel sind dagegen nach einem Jahr noch etwa 90 Prozent abrufbar.»
Auch Eltern werden mit eingebunden
Seit März 2007 geht Polizist Löseke, der vor seiner Arbeit als Polizeipuppenspieler Verkehrssicherheitsberater war, mit seinen Kollegen im Bereich des Polizeipräsidiums Mainz in Kindergärten und Grundschulen, um mit den Puppen Kriminal- und Verkehrsprävention zu leisten. Dabei gehen die Polizeipuppenspieler nach der Devise «Qualität vor Quantität» vor - auch wenn sie während der Schulzeit jeden Tag im Einsatz sind, reiht sich nicht einfach ein kurzer Auftritt an den nächsten. Ein Besuch in einer pädagogischen Einrichtung umfasst in der Regel drei Tage und bindet nicht nur die Kinder, sondern auch deren Eltern ein.
«Eltern müssen wissen, was mache ich mit meinem Kind, wenn es Opfer einer Straftat wird, oder wie erkläre ich ihm, wie es sich schützen kann», erklärt Löseke. Deshalb beginnt jeder Besuch der Puppenbühne mit einem Workshop für Eltern, bei dem diese zunächst in die Themen eingeführt werden, die später beim Puppenspiel behandelt werden. Danach beschäftigen sie sich in Kleingruppen mit bestimmten Themen, etwa den altersabhängigen Fähigkeiten von Kindern. «Viele Eltern wissen gar nicht, welche entwicklungsbedingten Defizite Kinder in diesem Alter haben, dass sie etwa nicht die Geschwindigkeit eines Autos abschätzen können oder zeitverzögert handeln», erklärt Löseke.
Nach der Besprechung mit den Eltern wird die Bühne aufgebaut, bevor dann am nächsten Tag die Kinder an der Reihe sind. «Wir starten zunächst etwa eine halbe Stunde mit einem vorbereitenden Stuhlkreis, dann kommt das Puppenspiel», sagt Löseke. Nach der Vorführung malen die Kinder auf, was ihnen am besten gefallen hat. Nach vier bis sechs Wochen kommen die Puppenspieler dann noch einmal und besprechen anhand der Malblätter mit den Kindern das Gelernte. «Da haben wir dann die Möglichkeit zu sehen, ob die Lernziele angekommen sind, und das Ganze noch mal zu vertiefen.»
99 Polizeipuppenbühnen in Deutschland
Ihre Premiere hatte die Mainzer Puppenbühne im November 2006. Alle fünf Polizeipräsidien in Rheinland-Pfalz verfügen über eine solche Einrichtung, Ludwigshafen sogar schon seit 31 Jahren. Die Puppenbühnen besuchen insgesamt 450 Kindergärten und 150 Grundschulen im Land, für die Einrichtungen ist das kostenlos. In ganz Deutschland gibt es 99 Polizeipuppenbühnen, bis auf das Saarland hat jedes Bundesland welche. Die ältesten Bühnen gibt es laut Löseke in Nordrhein-Westfalen, das insgesamt über 44 solcher Einrichtungen verfügt. In Bochum und Dortmund handelt es sich sogar um feststehende Theater, während die Mainzer Bühne mit ihrem Puppenkoffer und einer aufbaubaren Bühne zu den Schulen und Kindergärten zieht.
«Eine Puppenbühne hat einen ganz entscheidenden Vorteil bei der Präventionsarbeit», erklärt Löseke: «Man ist mit Kopf, Herz und Hand dabei, die Fantasie wird angeregt, und Emotionen werden erzeugt. Wir merken, dass die Kinder voll mitgehen - und dann behalten sie das Gelernte auch besser in Erinnerung.» Mit Beginn des neuen Schuljahres im August geht die Mainzer Puppenbühne dann wieder auf Tour.
