Erfurt - Hausunterricht anstelle des Schulbesuchs erschwert das soziale Lernen. Jenseits dessen, was im Lehrplan stehe, lernten Kinder in der Schule, ihre Spontanbedürfnisse zurückzunehmen und sich im Klassenverband einzufügen, erklärte der Erziehungswissenschaftler Peter Zedler am Montag mit Blick auf Kritik des «Netzwerkes Bildungsfreiheit» am Schulzwang in Deutschland.
«Die Kinder lernen auch Ungerechtigkeiten seitens des Lehrers zu ertragen. Das ist eine ganz wichtige gesellschaftliche Voraussetzung dafür, dass man später auch im Leben zurechtkommt», betonte der emeritierte Professor für Allgemeine Erziehungswissenschaft an der Universität Erfurt.
Die Schulsozialisation habe über die Lehrpläne hinaus eine ganz wichtige Lernwirkungen. «Das können die Eltern nicht bieten. Im Vordergrund müsse auch die Frage nach der Eignung derjenigen stehen, die den Hausunterricht durchführten. «Wenn jemand, mag er auch Akademiker sein, von Pädagogik und Didaktik wenig versteht, dann wäre es nicht so günstig», erklärt Zedler. Ein weiteres wichtiges Kriterium sei die Frage, ob beim Hausunterricht auch die in dem jeweiligen Bundesland gültigen Lehrpläne und Schulbücher genutzt würden.
Vor kurzem hatte ein Urteil gegen die Eltern Rosemarie und Jürgen Dudek aus dem hessischen Archfeld für Aufsehen gesorgt: Sie müssen für jeweils drei Monate ins Gefängnis, weil sie ihre Kinder zu Hause unterrichten. Das «Netzwerk Bildungsfreiheit» erklärte dazu, sogenanntes Homeschooling dürfe nicht kriminalisiert werden. Es sei an der Zeit, die Vorgaben des UN-Sonderbeauftragten Vernor Munoz umzusetzen, der bei seinem Besuch in Deutschland gefordert habe, dass Bildung nicht auf reine Schulanwesenheit reduziert werden dürfe.