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07. Juni 2007

O2 und Deutsche Post warben versehentlich auf Neonazi-Websites



Berlin - Auf neun Grad südlicher Breite, 171 Grad westlicher Länge liegt Tokelau, eine zu Neuseeland gehörende abgelegene Gruppe dreier Atolle im Südpazifik. Militante Neonazis und Kommunisten aus Deutschland und anderen europäischen Ländern waren wahrscheinlich noch niemals dort. Aber sie kennen die «Top-Level-Domain», das Internet-Kürzel von Tokelau: «.tk». Denn sie beherbergt Websites, auf denen man sich zu Demonstrationsterminen oder theoretischen Erörterungen - soweit Theorien vorhanden - der militanten Aktivitäten durchklicken kann.

Eine zweifelhafte Frucht der Globalisierung besteht darin, dass diese Seiten sich unter anderem durch Werbung renommierter Marken finanzieren. Die zugehörigen Konzerne wissen oft gar nicht, wie ihnen geschieht, weil sie die Verteilung ihrer Werbebanner über mehrere Stufen delegiert haben - «kaskadiert» heißt das im Business-Jargon.

Auf den «.tk»-Seiten werden im zeitlichen Wechsel Banner verschiedener Firmen vor die eigentliche Seite geschaltet, unter ihnen bis Mittwochvormittag das Telefonunternehmen O2, eine Tochter des spanischen Telefonica-Konzerns, und die Deutsche Post AG.

Das führte zu dem bizarren Zusammentreffen eines Konterfeis von Thomas Gottschalk, der neben einem Foto vom Hermannsdenkmal und der Überschrift «Aktionsbüro Westdeutschland - national und sozialistisch» für die DHL-Packstation warb.

Von der Nachrichtenagentur AP um eine Stellungnahme gebeten, stoppten beide Unternehmen umgehend die Werbung. Postsprecher Claus Korfmacher erklärte, die mit der Werbung beauftragte Agentur sei ihrerseits um eine Stellungnahme gebeten worden. Die Konzernrichtlinien der Post verböten Werbung in Zusammenhängen mit politisch extremen, pornografischen oder kriminellen Inhalten.

Korfmacher sagte, in den Verträgen würden die beauftragten Agenturen unter anderem auf diese Werte verpflichtet. Für den Konzern sei es schwierig, den Überblick über die Einhaltung zu behalten.

Entsprechend äußerte sich O2-Sprecherin Christine Knoepffler. «O2 hat die entsprechenden Sites niemals direkt eingebucht oder gezielt angesteuert und schließt in seinen Verträgen mit den Vermarktern Buchungen auf Websites mit gewaltverherrlichenden, politisch extremen, pornografischen oder rechtswidrigen Inhalte für jegliche Buchung explizit aus», erklärte sie.

Ob weiter mit dem Vermarkter Adpepper gearbeitet werde, der in dieser Sache der Vertragspartner sei, werde noch geprüft. Knoepffler sagte, bei Online-Werbung könne «nie hundertprozentig ausgeschlossen werden, dass Werbemittel und deren Verlinkungen an unbefugte Dritte weitergegeben werden, was in diesem Fall geschehen ist». Bei der O2-Qualitätskontrolle würden die Log-Listen aller Werbekampagnen wöchentlich kontrolliert. «Da dies jedoch in der Regel zum Ende der Woche geschieht und die Kampagne erst seit letzter Woche online ist, wurde für die betreffende Platzierung noch kein Screening durchgeführt», erklärte sie.


«Nur durch bewaffneten Kampf»


Auf den «.tk»-Webseiten wird unter anderem von einer «Progressive Labor Party» propagiert: «Kommunismus kann nur durch bewaffneten Kampf von Massen von Arbeitern, Studenten und anderen erreicht werden.» Zugleich wendet sich die offenbar in den USA aktive Partei gegen Rassismus, Sexismus und Nationalismus.

Dazwischen bietet eine mit dem «Aktionsbüro Westdeutschland - national und sozialistisch» verlinkte Seite namens «Nationaler Widerstand Bielefeld» auf den ersten Blick nicht das Erwartete, sondern Angebote für schnelle Kredite. Am rechten Ende des «.tk»-Spektrums tauchen über weitere Nachrichten über einen «hinterhältigen Angriff auf NPD-Funktionär», Bestellmöglichkeiten für Sprühschablonen (»Nur zur Verschönerung des eigenen Zimmers») und ein Kommentar zu «Scheinheiligendamm» auf.






 

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