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07. Februar 2008

Erdogan verteidigt deutsche Retter



Ludwigshafen - Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat nach der Brandkatastrophe von Ludwigshafen die deutschen Retter vor Kritik in Schutz genommen. «Während dieses fürchterlichen Vorfalls haben die deutsche Polizei und Feuerwehr alles in ihrer Macht stehende getan», sagte Erdogan am Donnerstag in der pfälzischen Stadt. Die Staatsanwaltschaft erklärte, bei den Ermittlungen seien bislang keine Hinweise auf Brandstiftung gefunden worden. Die Ermittlungen könnten noch mehrere Wochen dauern.

Erdogan besuchte gemeinsam mit dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck den Brandort und legte einen Kranz nieder. Vor rund 2.500 Zuhörern sagte der türkische Regierungschef, ohne das große Engagement der deutschen Einsatzkräfte wäre die Opferzahl noch größer gewesen: «Es gibt viele, deren Leben gerettet werden konnte.» Er rief die Medien zur Zurückhaltung und fairen Berichterstattung auf, damit die Freundschaft zwischen Deutschland und der Türkei nicht gestört werde.

Spekulationen über einen fremdenfeindlichen Anschlag sowie einen angeblich mangelhaften Feuerwehreinsatz hatten die Stimmung in Ludwigshafen angeheizt. Ein Feuerwehrmann wurde bei einem Übergriff verletzt. Deutsche Politiker hatten ihre Sorge über eine Beeinträchtigung das deutsch-türkischen Verhältnisses ausgedrückt und zur Mäßigung gemahnt. Nach der Besichtigung des Brandortes sprach Erdogan mit Hinterbliebenen und besuchte verletzte Opfer der Brandkatastrophe im Klinikum Ludwigshafen. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) dankte Erdogan in einem RTL-Interview für seine Worte. Es sei gut, dass der türkische Regierungschef nach Deutschland gekommen sei.

Beck versicherte Erdogan in Ludwigshafen, dass alle Bundesbürger um die Opfer trauerten. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, versicherte Erdogan Mitgefühl auch im Namen von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Merkel wolle die für den Freitag in Berlin angesetzten Gespräche mit Erdogan auch dafür nutzen, um über die Situation der aus der Türkei eingewanderten Menschen zu sprechen.


Mädchen sollen noch einmal vernommen werden


Die beiden Mädchen, die einen Brandstifter in dem betroffenen Gebäude gesehen haben wollen, wurden ein zweites Mal vernommen. Ihre Glaubwürdigkeit könne aber noch nicht eingeschätzt werden, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Lothar Liebig der AP. Es sei noch eine dritte Anhörung notwendig. Ein Phantombild stehe bisher nicht zur Verfügung.

Am Donnerstag untersuchten Spezialisten weiter das ausgebrannte Haus. Die Suche nach einem möglichen Brandlegungsmittel wird erschwert durch die große Menge Löschwasser wie auch durch den Umstand, dass sich das Feuer mit großer Macht und Schnelligkeit ausgebreitet hatte. «Ich fürchte, dass wir uns auf eine Ermittlungsdauer von mehreren Wochen werden einstellen müssen», sagte Liebig.

Die mit Nazi-Runen ans Haus geschriebenen Worte «Hass» neben dem Eingang zu einem türkischen Kulturverein sind offenbar nicht in Verbindung mit dem Brand zu bringen, weil sie wesentlich älter seien, sagte ein Polizeisprecher.

Der in einer Gaststätte von einem türkischstämmigen Mann verletzte Feuerwehrmann wurde aus dem Krankenhaus entlassen. Gegen den Täter laufen Ermittlungen wegen Körperverletzung und Beleidigung. Nach Angaben der Feuerwehr befanden sich am Donnerstag noch acht Personen in Krankenhäusern, darunter zwei Erwachsene und ein Kind auf der Intensivstation.






 

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