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06. Oktober 2008
Big Sister is watching you


Frankfurt - Mit bangem Blick steht Jerry vor dem Bankautomat, bis in seinem gewöhnlich leeren Konto die Zahl 750.000 auftaucht - im Haben, wohlgemerkt. Weniger schön ist es, dass er in seinem schäbigen Apartment gleich darauf kistenweise Gerätschaften zum Bombenbau entdeckt und ihm von einer Frauenstimme per Handy mitgeteilt wird, dass er «aktiviert» sei. So wird der Held des am 9. Oktober in den Kinos anlaufenden Actionthrillers «Eagle Eye - Außer Kontrolle» mit Vollgas in eine wahnwitzige Verschwörung gestürzt.

Als Jerry prompt das FBI auf die Pelle rückt, dirigiert ihn die mysteriöse Anruferin durch eine halsbrecherische Flucht per Fenstersturz und Baukran zu einem Porsche, in dem die verängstigte Rachel wartet. Auch die allein erziehende Mutter steht unter der Fuchtel jener Stimme: Diese droht mit der Ermordung von Rachels Sohn, der per Zug zu einem Kinderkonzert für den Präsidenten unterwegs ist. Unsichtbare Drahtzieher, die Handys orten und sämtliche elektronische Verkehrsnetze und Überwachungskameras kontrollieren, machen die zwei zu Marionetten eines Attentats. Ihre Jäger vom FBI und vom Militär kommen derweil einem ungeheuerlichen Komplott auf die Spur.

Gekonnt klaut Regisseur D.J. Caruso, der sich bereits im Teenie-Thriller «Disturbia» von «Fenster zum Hof» inspirieren ließ, jetzt von den Hitchcock-Klassikern «Der unsichtbare Dritte» und «Der Mann, der zuviel wusste». Entschlackt von Sentimentalitäten entfaltet sich ein furioses Spektakel, das einfallsreiche Action - unter anderem flüchtet das Paar halsbrecherisch über Gepäckbänder - mit aktuellen Überwachungsfantasien anheizt. Dass die Hatz beträchtliche logische Löcher im Drehbuch aufweist, durch die Hannibal seine Elefanten treiben könnte, fällt inmitten der Auto-, Flugzeug- und sonstigen Karambolagen zunächst kaum auf. Erst der lasche Schluss lässt aus dem mächtig aufgeblasenen Spuk die Luft raus.

Einfallsreiche Action und paranoide Überwachungsfantasien

Als Aufhänger der rasanten Achterbahnfahrt dient ein Vorfall im Afghanistankrieg, und auch die Ehre von Jerrys Bruder, einem zu Tode gekommenen Elitesoldaten, muss wiederhergestellt werden. Shia LaBeouf, der zuletzt in «Disturbia» und «Indiana Jones» zu sehen war und von Produzent Steven Spielberg für einen «neuen Tom Hanks» gehalten wird, bringt als sympathischer Antiheld eine Prise Melancholie ins Getöse. Die aparte Michelle Monaghan durfte bereits in «Mission Impossible: 3» ihre Qualitäten als wehrhaftes Opfer beweisen, und auch namhafte Nebendarsteller wie Billy Bob Thornton und Rosario Dawson besitzen überdurchschnittliche Präsenz.

Doch die meisten Kicks liefern die paranoiden Visionen eines vollverwanzten und bis in den letzten Kramladen ausgeleuchteten Alltags, der den Horch-und-Guck-Apparat der Stasi wie einen Amateurverein aussehen lässt. Und so ist der wahre Hauptdarsteller auch jene abstrakte SIE mit der nervtötend sanften Domina-Stimme eines Navi-Geräts: sie sorgt nicht nur für grüne Ampelphasen, sondern entriegelt per elektronischem Sesam-öffne-dich jedes Schloss. Im Film werden jene technologischen Verheißungen, deren Einlösung in der Realität schon an den Gebrauchsanweisungen scheitert, alptraumhafte Wirklichkeit. Da kann man über die zickenden Computer im wahren Leben fast schon wieder froh sein.








 
 



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